Avantgarde unter Sparzwang

HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste in Dresden gewinnt den Theaterpreis des Bundes. Ein Gespräch mit der Intendantin Carena Schlewitt

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Christine Wahl Frau Schlewitt, herzlichen Glückwunsch zum Theaterpreis des Bundes 2026! In einem Text über Ihr Haus wird eine Zuschauerin mit dem Satz zitiert: «Wenn es HELLERAU nicht gäbe, wäre ich schon längst weg aus Dresden.» Was findet sie bei Ihnen, was ihr sonst in der Stadt fehlt?
Carena Schlewitt Ich glaube, ein großer Reiz besteht tatsächlich darin, dass unser Haus eine große Bandbreite abdeckt. Wir zeigen ja nicht nur wechselnde Künstler:innen und Kompagnien – sei es aus der Region, aus der Republik oder international.

Sondern weil wir ein interdisziplinäres Haus sind, potenziert sich diese Vielseitigkeit noch in den Genres. Allein unser Musikangebot reicht von anspruchsvollen Neue-Musik-Abenden über immersive Sound -installationen bis zu partizipativen Formaten, und genauso könnte ich das jetzt für den Tanz- oder den Performance-Bereich durchbuchstabieren. Auf jeden Fall trifft man in HELLERAU immer auf eine zeitgenössische künstlerische Sprache; man tritt in Dialog mit der Gegenwart.

Wahl Was in einer Stadt wie Dresden, die sich in puncto Kunst und Kultur ja stark aus ihrer Tradition heraus definiert, durchaus nicht an jeder Ecke zu finden ist.
Schlewitt Neulich kam ...

CARENA SCHLEWITT, geboren 1961 in Leipzig, studierte Theaterwissenschaft an der Humboldt Universität Berlin. Stationen u.a. an der Akademie der Künste in Ost-Berlin, dem Berliner Produktionshaus Podewil, FFT Düsseldorf, HAU Berlin, Kaserne Basel. Seit 2018/19 ist sie Intendantin und Künstlerische Leiterin von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste in Dresden

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Theater heute April 2026
Rubrik: Gespräch, Seite 46
von Christine Wahl

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