Monaden überall
Aus tiefem Dunkel tritt uns Salome entgegen. Mit schwarzem Kajalstrich unter den Augen, ein Punk oder Gothic Girl, das mit einem Bein bereits im Reich des Todes steht.
Dabei besetzt Salome in der abendländischen Mythologie eher die diesseitigen Gefilde. Sie verkörpert die sinnliche, weltliche Rache am Gottesmann Johannes dem Täufer, dessen Enthauptung Salome mit einem erotischen Schleiertanz für ihren Stiefvater, König Herodes, erwirkt.
Oscar Wilde hat die Gegensätzlichkeit der im Mythos waltenden Verhältnisse in seiner kanonischen «Salome»-Dramatisierung ein Stück weit ausgehebelt. Beide Antipoden sind bei ihm in ein Spiel des Begehrens verstrickt, und die biblische Sprache der Liebe (aus dem Hohelied Salomos gewonnen) wendet sich subkutan gegen die Reinheitsgebote des Johannes. Aber das misogyne Schema, in dem Salome als das sündige, weibliche Begehren der männlichen Vergeistigung und Entsagungsbereitschaft gegenübergestellt ist, bleibt auch bei Wilde erhalten – und wirkt heute antiquiert und befremdlich. Als Lucia Bihler den Stoff 2019 an der Volksbühne erzählte, konnte sie ihn nurmehr als Geschichte von und für Aliens auffassen.
Regisseur Michael Thalheimer sucht nicht die ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Christian Rakow
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