Das Ich hat die Vollmacht
Endlich mal kein Abend nach Maß, sondern mit Übermaß! Im Saal dröhnen die Unmutsäußerungen: «Das ist doch kein Theater!» Zwei Drittel des Publikums verlassen die Aufführung vor der Zeit. Und das am eigentlich durch Experimentaltheater gestählten HAU2 des Hebbel-am-Ufer in Berlin!
Was war das für ein Auftakt für das 3. Nordwind-Festival: Die Ibsen-Travestie «Ein Puppenheim» vom deutsch-norwegischen Künstlerduo Ida Müller und Vegard Vinge ist ein Findling von einem Theaterabend, erratisch und befremdlich.
In einer bunten Comicwohnung verabschiedet sich das bürgerliche Identitätsdrama in Richtung Computersimulation. Die komplett aus Papier und Kartons zusammengesetzte Breitwandbühne erinnert an digitale Zweitwelten wie «Sims» oder «Papermint». Mutter, Vater, Kinder, die wir hier bei alltäglichen Verrichtungen beobachten (Pinkeln, Onanieren, Fernsehen), sind keine Charaktere, sondern Avatare (Spielfiguren), die vom Steuerpult aus beseelt scheinen.
Schnurrende Automaten
In Zeitlupe schleichen sie umher, mit grotesken Fratzen maskiert, von Sounds untermalt. Manchmal bleiben sie in einer Geste hängen oder laufen wiederholt gegen eine vermeintlich offene Tür, so als sei diese Welt ...
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Aachen, Theater
Kasse: 0241/47 84 244
6. Ensemble-Projekt, «Robin Hood», R. Martin Philipp
20. Gintersdorfer/Klaßen, «Très, très fort» (U), R. Monika Gintersdorfer
Aalen, Theater der Stadt
Kasse: 07361/522 600
26. Lange, «Drachentod und Käsebrot», R. Jakob Strack
Altenburg/Gera, TPT
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Kasse Gera: 0365/7736343
13. ...
Wer noch einmal eine bizarre Industriebrache in den Dimensionen des Ruhrgebiets oder Mittelenglands erleben möchte, der sollte sich ins zentralpolnische Lodz begeben. Über hundert Jahre qualmten hier die Schlote über gigantischen Textilfabriken, bis mit dem Zusammenbruch des Ostblockmarkts 1990 praktisch über Nacht Schluss war. «The freedom to go bankrupt» bewirbt...
Überraschenderweise hat dieser Hamburger «Baumeister Solness» sehr viel mit dem meisterhaften Wiener «Weibsteufel» zu tun, den Martin Kusej im Mai beim Berliner Theatertreffen zeigen durfte. Dieselbe klirrende Kälte zwischen den Figuren, ein schneidend-klares Licht und ein die Menschen zwanghaft auf Distanz haltendes Bühnenbild von Martin Zehetgruber: Statt auf...
