Auszeiten im Jetzt
Könnte ein extrakitschiges Ölbad der Gefühle werden: Zwei ungeliebte Außenseiter kommen sich keusch und vorsichtig näher, doch es wird nichts draus, weil die Verhältnisse nun mal so sind, wie sie sind. Aber nicht bei Caren Jeß! «Ave Joost» versammelt vier sehr spezielle Menschen im – ja, wo eigentlich? Großstadtrand, Vororttristesse, sich entvölkernde Provinz? Wäre alles möglich. Das Stück spielt in einer verfallenen Molkerei, einer gesperrten Bauruine, wo sich längst das Unkraut durch die einst steril sauberen Kacheln frisst.
Der Ort ist hochkonkret und zugleich metaphorisch mehrfach überwuchert: Stichwort romantische Ruine, Gespensterschloss, Zivilisationsschutt, wirtschaftlicher Niedergang oder auch gar nichts davon, denn vielleicht steht an einem anderen Standort längst eine viel modernere, größere Milchabfüllstation. Alles Vermutungen natürlich, wie man in den Stücken von Caren Jeß immer sehr konkrete Fakten erfährt, von denen aus sich besonders weitreichend vermuten lässt.
Singulärer Durchschnitt
Auch die vier zufälligen Besucher sind nicht so einfach auf den Punkt zu bringen. Marcus und Bastl, Vater und Sohn, verbindet der sinnlose Tod von Schwester und Tochter Nina bei ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Fünf schwarze, abhottende Zottelberge, mehr mystische Monster als menschenartige Wesen – zumindest solange sie nicht die Zottelkapuze abgezogen haben und Köpfe sichtbar werden: mit futuristisch ondulierten blonden Kurzhaarfri -suren, die Gesichter in unterschiedlichen Farben. Mal raven sie zu Technobeats, die dreifingrigen Fäustlinge zur Decke gestreckt, mal...
Am Ende fallen drei Schüsse hinter der großen schiefen Bühnentreppe. In den letzten zwei Stunden hat sie sich vom antiken Palast in Kolchos zum mit Kissen ausgelegten Wohnloft der griechischen Upper-Middle-Class verwandelt. Hier leben Jason und Medea, zwei ausgewachsene Antiken-Neurotiker. Ihre ohnehin von Beginn an eher vertragsgemäße denn emotionale Ehe ist da...
Klar, dieser Liza muss man nichts beibringen, sie muss auch nicht erst «hübsch» gemacht oder erzogen werden, und einen irgendwie signifikanten Akzent hat sie schon gar nicht. Im Gegenteil, ihre Aussprache perlt in perfekter Artikula -tion ohne den Anflug eines krassen Dialekts, und Blumen verkauft sie auch nur vorübergehend, um sich das Schauspielstudium zu...
