Auswertung: Ein Abschiedsfest ...
... für Bernd Wilms, den scheidenden Intendanten des Deutschen Theaters in Berlin, ist die diesjährige «Theater heute»-Umfrage unter 37 Kritikern: Zehn von ihnen krönen die Hauptstadtbühne, letztes Jahr noch auf Platz 2, zum Theater des Jahres (sieben sehen Frank Baumbauers Münchner Kammerspiele vorne; auf vielversprechenden dritten Plätzen mit je 3 Stimmen: die Neustarts von Andreas Beck am Schauspielhaus Wien und Karin Beier im Schauspiel Köln).
Das Deutsche Theater ist auch der Ort der Inszenierung des Jahres: Jürgen Gosch erforscht dort die Menschen in Tschechows «Onkel Wanja» und erringt damit nicht nur zum dritten Mal seit 2004 mit eindrucksvollen 14 Stimmen die Krone, sondern lässt auch die Schauspieler und die Schauspielerin des Jahres glänzen. Mit je acht Stimmen teilen sich der 2005 schon einmal siegreiche Ulrich Matthes als Wanja und Jens Harzer als Arzt Astrow den Herrentitel, Constanze Becker siegt mit ihrer Jelena (und der Frau John in den «Ratten») im weiblichen Fach (7 Stimmen), wo ihr nur Sandra Hüllers Mamma Medea mit 5 Stimmen und Hildegard Schmahls Prospero mit 4 Stimmen, beide Münchner Kammerspiele, auf den Fersen sind. «Wanja»-Bühnenbildner Johannes Schütz ...
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Dieser Mann muss sich mit der Kneifzange rasieren. Zu viele Hormone. Schnurrbart ist kein Wort für den borstigen Oberlippen-Propeller im zarten Gesicht des Jens Harzer. Jack Nicholson spielte einst in Roman Polanskis «Chinatown» den halben Film mit einem Nasenpflaster im Gesicht, und schon dieser Fremdkörper war eine Zumutung. So ähnlich müsste es doch Harzer mit...
In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 feierten auf Schloss Rechnitz, das unmittelbar an der österreichischen Grenze zu Ungarn liegt, SS-Offiziere, Gestapo-Führer und einheimische Getreue des Nazi-Regimes ein «Gefolgschaftsfest», auf dem getanzt und getrunken wurde und in dessen Verlauf fast zweihundert arbeitsunfähige oder geschwächte jüdische Zwangsarbeiter...
Eine junge Frau begegnet einem Koffer: «Sein Griff, sein langer Griff, zieht meine Hand an. /Passgenau. / Ich geh weiter. / Einfach weiter. / Der Koffer rollt hinter mir her. / Leise und leicht.» Das Bild vom Koffer, der sich offenbar eine neue Herrin sucht, erschien mir sofort einleuchtend, vielleicht weil ich als Kind bei jedem scheinbar herrenlosen Hund hoffte,...
