Die Wurzeln der Innigkeit

Jens Harzer, lange der ewige Sohn im Münchner Dorn-Ensemble, erspielt sich neue Freiheiten. Seine Arbeit mit Jürgen Gosch hat ihn verändert – und zu einem Schauspieler des Jahres gemacht

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Dieser Mann muss sich mit der Kneifzange rasieren. Zu viele Hormone. Schnurrbart ist kein Wort für den borstigen Oberlippen-Propeller im zarten Gesicht des Jens Harzer. Jack Nicholson spielte einst in Roman Polanskis «Chinatown» den halben Film mit einem Nasenpflaster im Gesicht, und schon dieser Fremdkörper war eine Zumutung. So ähnlich müsste es doch Harzer mit dem angeklebten Bart gehen, den er als Provinz-Casanova Astrow in Jürgen Goschs Inszenierung von Tschechows «Onkel Wanja» vor sich her trägt.

Könnte es sich bei diesem bösen Masken-Scherz um einen Sabotage-Akt seitens der Regie gehandelt haben? Oder um eine erziehe­rische Maßnahme? Wollte Gosch, dieser erfahrene Theater-Behaviourist, einem Schauspieler wie Harzer, der so viel und vielleicht zu viel kann, einen Widerstand entgegensetzen? Hielt Gosch es für richtig, einem, der zum Virtuosentum neigt, zum Höhenflug und also auch zum Bodenlosen, ein paar Steine in die Jackentasche zu stecken, um es ihm schwerer zu machen und vielleicht gerade dadurch leichter?
 

Scheuer Mensch im Umbruch

Ehe sich im Kopf des Beobachters die paranoiden Hirngespinste verfestigen, nimmt einem Jens Harzer mit seiner sanften, sehrenden Stimme und ...

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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Die Schauspieler des Jahres, Seite 106
von Christopher Schmidt

Vergriffen
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