Außenbetrachtung der Innenbetrachtung
Die Entstehungsgeschichte beschreibt Thomas Köck zu Beginn so: »Eigentlich hatte ich B zugesagt, ein Jahr österreichischer Innenpolitik, also das eine Jahr vor den kommenden Nationalratswahlen, zu ‹begleiten› oder zu betrachten, eine Art fortlaufende, politische Bestandsaufnahme als Grundlage für einen Theaterabend, nicht mit dem Wunsch, eine knallharte Analyse zu liefern, sondern eher eine Art Außenbetrachtung der Innenbetrachtung der Außenbetrachtung der inneren Verhältnisse eines Landes, dessen Rechtsneigung ich mittlerweile auch nicht mehr besonders witzig finde.
»
Mit B ist die Regisseurin Marie Bues gemeint, die seit einem Jahr Co-Intendantin am Wiener Schauspielhaus ist. Dieses hat, zusammen mit dem Grazer Schauspielhaus, den Autor mit einem Theatertext zur Lage der Nation beauftragt. Das Projekt ist dann wohl etwas aus dem Ruder gelau -fen, Köcks politisches Tagebuch, das er genau ein Jahr lang, von Juni 2023 bis Juni 2024, geführt hat, umfasste am Ende mehr als 350 Seiten; Suhrkamp brachte es als Prosaband in den Buchhandel. Genau eine Woche vor der oben erwähnten Nationalratswahl, bei der die rechtsextreme FPÖ erstmals stimmenstärkste Partei werden sollte, ging in Graz ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Wolfgang Kralicek
Wir sprechen auf einem Boot in der Rummelsburger Bucht, wo die Spree einen großzügigen Seitenarm hinstreckt, als wollte sie Berlin etwas Gutes tun. Es ist gerade noch ein Stück Innenstadt, wo man sich am Ufer auch ohne gewerblichen Schiffsverkehr etwas Erholung gönnen kann. Rund um die Bucht sind aber auch die Neubauten eingeschlagen – begehrter, benötigter...
Am Vormittag des 12. November 2019 versammelt sich im Rathaus der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten eine von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) angeführte Gruppe. Die Stimmung ist aufgekratzt, siegessicher verfolgt die Delegation per Livestream, welche österreichische Stadt sich – nach Graz 2003 und...
«Bürgerkrieg ist höchstes Bürgerglück.» Thomas Braschs reichlich freie Übersetzung des Auftrittsmonologs macht ganz klar, was die Themen von «Romeo und Julia» sind: Krieg und Glück der Bürger. Das «Stadt:Kollektiv», Nachfolger der «Bürgerbühne» des Düsseldorfer Schauspielhauses, spannt in Bassam Ghazis Inszenierung das Band zwischen Bürgerliebe und Bürgerkrieg, bis...
