Auslaufmodell Demokratie
Jalta? Verdammt, was war das noch? Traumhafte Kulisse, perfektes Welttheater. Was 1943 auf der Teheran-Konferenz arrangiert und 1945 in Potsdam umgesetzt wurde – in Jalta wurde schon mal darauf angestoßen. Ein Intermezzo, ein Treffen der «Großen Drei» bei kaukasischem Champagner. Ein PR-Coup Stalins, den Blick klar auf eine neue Weltordnung gerichtet. Diese hielt bis 1990, der Zwei-plus-Vier-Vertrag setzte ihr ein Ende. Danach krachte auch die Sowjetunion.
Fakten über Fakten.
Aber nun zum Stück: Der schwedische Autor Lucas Svensson hat ein feines Gewebe aus Text in sanft pulsierenden Wellen diplomatischer Sprache aufgeschrieben, ein Stück für sechs Frauen. Diese heißen: Churchill, Roosevelt, Stalin, Smith, Harry und Lawrentij. Letztere sind die Adjutanten der «Großen Drei». Und ein Mann tritt auf, ein Kellner.
Verhandelt wird in diesem Jalta in ganz und gar männlichem Text alles, was die Geschichtsbücher an Machtkampf hergeben. Auf der Bühne wird das dann in fraulichem Ton zu hören sein. Und: Svensson mixt all die historischen Fakten fleißig mit Weltliteratur und solcher, die es noch werden kann. Sein Stück beleiht Gestern und Vorvorgestern und meint damit, den Blick klar auf eine ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 187
von Stefan Schmidtke
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