Aus der Zeit gefallen
Bunker, unfertiger Rohbau, Grenzstation, Kriegsschiff: Ein genial assoziationsreiches, multifunktionales Bühnenbild hat Katja Haß ins Stuttgarter Schauspielhaus bauen lassen. Es fährt zu Beginn beängstigend direkt aufs Publikum zu. Look aus rohem Beton, abweisend, aber praktisch zu bespielen: oben eine Aussichtsplattform, innen eine steile Treppe, die ins Obergeschoss führt, wo auch der Live-Musiker Max Braun unter -gebracht ist, der das Geschehen mit düsterem E-Sound-Raunen unterlegt.
Das unheimliche Beton-Ungetüm dreht sich gelegentlich minutiös, zeigt mal seine geöffnete Seite, mal seine hermetisch abgeriegelte.
Es geht in «Der große Wind der Zeit» in einem zweieinhalbstündigen Parforceritt durch 100 Jahre israelisch-palästinensische Geschichte – in Gestalt eines jüdischen Familienepos über vier Generationen. Die Handlung spielt in Tel Aviv, in einem Kibbuz in der Wüste, in Berlin, Wien und London.
Der heute 84-jährige israelische Theaterautor Joshua Sobol hat für diese Stuttgarter Uraufführung seinen 2017 erschienenen 500-seitigen Roman dramatisiert. Es ist kein Wunder, dass sein neues Stück nicht in Israel uraufgeführt wurde. Denn es blickt zurück auf eine Zeit, als noch ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
Warwara sucht Ruhe. Dafür ist sie in die Schweizer Berge gekommen. Doch auch wenn sich das Treffen, zu dem ihr Mann Sergej Bassow geladen hat, «Retreat» nennt und von «Digital Detox» die Rede ist – richtig ernst nimmt das keiner. Schließlich findet sich hinter jeder Ecke ein Laptop, unter jedem Stuhl ein iPhone. Aber Warwara meint es ernst mit ihrem Vorhaben: Am...
Surprise: wir haben also das Feudalsystem nie verlassen – welcome im Bad Kingdom Germany.» So heißt es gegen Ende von Falk Richters Schaubühnen-Abend «Bad Kingdom». Als Resümee in einem längeren Monolog zur wachsenden Vermögensungleichheit im Land. Deutschland – ein mieses Königreich, ein Land der schlecht verteilten Chancen.
Der Claim könnte gut als Motto über...
Waren Sie schon mal aufgeregt?», fragt die Schauspielerin Lucia Kotikova ins Berner Publikum. Sie selbst sei so aufgeregt wie noch nie – sie gehe jetzt gleich nochmal raus, und vielleicht könnten wir ja dann applaudieren, wenn sie wieder hereinkomme, das würde ihr vielleicht helfen? Mit feiner Selbstironie tritt Lucia Kotikova im Kammerspiel der Bühnen Bern, der...
