Augsburg: Kamikaze-Kunst
Kunst kann die Welt verändern. So die je nach Ansicht euphorische oder erschreckende Hypothese der jüngsten Schauspieluraufführung am Staatstheater Augsburg.
In der schönen neuen Welt, wie sie der marxistische «FAZ»-Redakteur und notorische Vielschreiber Dietmar Dath in seinem neuen Stück «Die nötige Folter» skizziert, hat eine maliziös einprogrammierte Bildstörung in Videoinstallationen der Künstlerin Doro Coppe nicht nur eine Massenschlägerei unter Vernissage-Besuchern im Museum Ludwig provoziert, sondern gleich kaskadenhaft gesellschaftliche Kontrollmechanismen ausknockt, von der Stromversorgung übers Internet bis zur kollektiven Erinnerung.
Die Außenwelt ist demnach aus den Fugen, und in der brechtbühne, der schicken neuen Interimsspielstätte des Staatstheaters Augsburg, die von Jan Steigert mit allerhand Zivilisationsresten und Science-fiction-Accessoires dekoriert wie das Set zu einem edel designten Blockbuster wirkt, zucken zerfließende Gesichter über diverse Screens. Zwischen psychedelischem Flimmern reitet eine Frau in Rot, mal vorwärts, mal rückwärts gescrollt, über ein martialisches Aufmarschgelände, oder ein Skater stürzt in Endlosschleife auf kalten Garagenbeton ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Silvia Stammen
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Die Salzburger Festspiele standen in diesem Jahr unter einem konzeptionellen Bogen: Antike Mythen wie die von Ödipus, Medea oder Orpheus wurden auf ihre Relevanz für die Gegenwart untersucht. Seltsamerweise aber galt das Motto offenbar nur für das Musiktheater, im Schauspielprogramm waren davon allenfalls Spurenelemente auszumachen. Das hatte vermutlich zwar ganz...
Am Ende liegt ein Mann in der Badewanne. Macbeth, der Machtmensch, der Karrierist, der über Leichen geht, ist tot. Der Kopf ist zur Seite gefallen, wobei er sich auf ein Handtuch stützt, das ihm kurz vorher sein einstiger Rivale Macduff vorsichtig um das Handgelenk gewickelt hatte. Geradezu fürsorglich und besorgt begleitet dieser ihn zur Wanne, in der sich Macbeth...
