München: Schutzraum Erzählung
Keine menschliche Tragödie ist dem Theater fremd, aber mit Naturkatastrophen tut sich die Bühne für gewöhnlich schwer. In der effektvollen Umsetzung von Weltuntergangsszenarien liegt der Film eindeutig vorn.
Eine der ungewöhnlichsten – und tröstlichsten – Kinoversionen des finalen Crashs lieferte vor acht Jahren Lars von Trier mit seiner in erlesenen Bildern komponierten, menschliche Hilflosigkeit und Hybris nicht ohne Humor feiernden Endzeitelegie «Melancholia», in der die Erde von einem gleichnamigen Himmelskörper gerammt wird und eine psychisch labile Braut, gespielt von Kirsten Dunst, im Vorblick auf dieses unausweichliche Ereignis zu neuer innerer Stärke findet.
An den Münchner Kammerspielen hat Regisseur Felix Rothenhäusler den Plot des Films zur Basis einer sehr pur auf das Sprechen fixierten szenischen Reflexion gemacht, deren Spannung sich allein aus der (Nach-)Erzählung durch die Figuren selbst entfalten soll. Auf einer gläsernen, 30 Zentimeter über den Brettern schwebenden Fläche bewegen sich die Schauspieler wie einsame Planeten im ansonsten von Katharina Pia Schütz leer gelassenen Raum. Von oben beleuchten sie drei Reihen Spots (Licht: Stephan Mariani), die immer mal ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen
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