«Ich geb’ jedem eine Chance»
Das Schlimmste, was ihrem Stück auf dem Theater passieren könne, sagt Anja Hilling, sei, dass auf der Bühne wirklich Gulasch gekocht werde. Nun wurde bei der inoffiziellen Uraufführung von «Mein junges idiotisches Herz» im Werkraum der Münchner Kammerspielen dieses Gulasch nicht nur gekocht, sondern am Ende der Vorstellung auch noch von allen Schauspielern gemeinsam aufgegessen.
Außerdem war da als wiederkehrender Zuschauer noch der Redakteur einer Frauenzeitschrift, die gerade einen Schwerpunkt über Berlin-Mitte plant und sie unbedingt vor den angeblich hippen Sophiensaelen fotografieren wollte. Dabei hat sie mit Berlin-Mitte nicht das Mindeste zu tun. Sie wohnt in Neukölln, arbeitet in Kreuzberg und studiert – wenn man es so nennen will – in Charlottenburg. Der Redakteur hat ihr Problem nicht richtig verstanden; aus dem Foto ist nichts geworden. München war trotzdem kein Misserfolg.
Aktion Abschied
Frau Schlüter hatte sich vorgenommen: «Um drei und zwar pünktlich bin ich eine tragische Frau.» Daraus wurde auch nichts. Woran ihr Vorhaben, dem Leben ein Ende zu setzen, genau scheitert, lässt sich nicht eindeutig klären. Wahrscheinlich ist es das alte vertrocknete ...
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Was aus dem einen, sehr sehr langen Theaterstück, das René Pollesch in kleinen Fetzen an verschiedenen Orten seit Jahren zur Aufführung bringt, konsequent hervorscheint, ist die Sehnsucht des Autors nach der alten politisch-ideologischen Entweder-oder-Weltsicht, die mit fetzigen Ist-Sätzen Klarheit schafft, sowie der ewige Kampf dieser Sehnsucht mit dem Alltag des...
Der Bühnenboden ist hochgeklappt und präsentiert ein großes plastisches Bild. Es könnte eine Satellitenaufnahme des Irak sein. Wäre das der Fall, lägen unten im Süden die Ausgrabungsstätten von Ur und weiter oben Bagdad. Etwas später klappt der geopolitisch brisante Ausschnitt der Welt einfach weg und wird zum Spielgrund einer «Egmont»-Variante, in der die...
Ein Leben in Kontoauszügen? Barabhebung an Geldautomaten zeigen das Cash-Level, die Höhe der Telekom-Rechnungen lässt auf gewerbliche Nutzung des Hausanschlusses schließen, Zeitschriften-Abos verweisen auf den beruflichen oder gesellschaftlichen Horizont, der eher bescheidene Beitrag bei der Künstlersozialkasse muss dem nicht entsprechen – auf der anderen Seite...
