Aufstand der Schnittbrote

Neue Stücke bei den Wiener Festwochen und an der Berliner Volksbühne: René Polleschs «Deponie Highfield», Sibylle Bergs «Hass-Triptychon» in der Regie von Ersan Mondtag und Pinar Karabuluts Uraufführung von Katja Brunners «Die Hand ist ein einsamer Jäger»

Der Diversity-Diskurs hat das Wiener Burgtheater erreicht: Eine der sieben lebensgroßen, täuschend echt aussehenden Lipizzanerskulpturen, die Katrin Brack auf die Greenscreen-Bühne des Akademietheaters gestellt hat, ist braun. Vielleicht ist das Tier noch nicht ganz «ausgeschimmelt» (die meisten Lipizzaner werden erst mit rund sechs Jahren richtig weiß), vielleicht gehört es zu der neunprozentigen Minderheit, die sich ohnehin nie in einen Schimmel verwandeln und deshalb in der Hofreitschule nichts zu suchen hatten.

Wie auch immer, die bühnenbildnerische Anspielung auf das kaiserliche Aus­bildungspferd der Habsburgermonarchie wird gegen Ende von René Polleschs gefühlt siebzigster Eigeninszenierung noch einmal aufgegriffen, und zwar mit Blick auf die fünf Elitespieler*innen des Burgtheaters, die rund anderthalb Stunden auf den Rücken oder zu Hufen der Zuchttiere posieren.

Schickimicki gegen das Vergessen

«Deponie Highfield» kehrt immer wieder zu der Kathrin Angerer in den Mund gelegten Beobachtung zurück, dass sie ihre große Liebe zwei Tage nach der Trennung schon wieder restlos vergessen habe. Ums Vergessen oder vielmehr Bewahren kreist auch die Wissenschaftskritik der ...

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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 20
von Eva Behrendt