Aufstand der Schnittbrote
Der Diversity-Diskurs hat das Wiener Burgtheater erreicht: Eine der sieben lebensgroßen, täuschend echt aussehenden Lipizzanerskulpturen, die Katrin Brack auf die Greenscreen-Bühne des Akademietheaters gestellt hat, ist braun. Vielleicht ist das Tier noch nicht ganz «ausgeschimmelt» (die meisten Lipizzaner werden erst mit rund sechs Jahren richtig weiß), vielleicht gehört es zu der neunprozentigen Minderheit, die sich ohnehin nie in einen Schimmel verwandeln und deshalb in der Hofreitschule nichts zu suchen hatten.
Wie auch immer, die bühnenbildnerische Anspielung auf das kaiserliche Ausbildungspferd der Habsburgermonarchie wird gegen Ende von René Polleschs gefühlt siebzigster Eigeninszenierung noch einmal aufgegriffen, und zwar mit Blick auf die fünf Elitespieler*innen des Burgtheaters, die rund anderthalb Stunden auf den Rücken oder zu Hufen der Zuchttiere posieren.
Schickimicki gegen das Vergessen
«Deponie Highfield» kehrt immer wieder zu der Kathrin Angerer in den Mund gelegten Beobachtung zurück, dass sie ihre große Liebe zwei Tage nach der Trennung schon wieder restlos vergessen habe. Ums Vergessen oder vielmehr Bewahren kreist auch die Wissenschaftskritik der ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 20
von Eva Behrendt
Zu Beginn der Pressekonferenz, auf der der Berliner Kultursenator Klaus Lederer den Intendanten der Volksbühne (dann wieder: am Rosa-Luxemburg-Platz) ab 2021/22 vorstellte, wurde ein fünfseitiges Papier verteilt. Es handelte sich dabei offenbar um eine aktualisierte Form des Bewerbungsschreibens, das den 56-Jährigen Ende letzten Jahres beim Senat unter der...
Da sitzt er auf seinem Fluggerät, einen Holzstuhl als Pilotensitz, mit einem umgedrehten Hocker als Lenkrad und einen Ritterhelm aus Plastik auf den Kopf. Mit seinem Raumschiff, der «Integral», möchte er zu den Sternen aufbrechen, um die Bewohner ferner Planeten zu zivilisieren – und sie von einem System zu überzeugen, an dem er selbst gerade zweifelt. Denn der...
Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität...
