Mannheim: Minimalistische Dystopie

nach Jewgenij Samjatin «Wir»

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Da sitzt er auf seinem Fluggerät, einen Holzstuhl als Pilotensitz, mit einem umgedrehten Hocker als Lenkrad und einen Ritterhelm aus Plastik auf den Kopf. Mit seinem Raumschiff, der «Integral», möchte er zu den Sternen aufbrechen, um die Bewohner ferner Planeten zu zivilisieren – und sie von einem System zu überzeugen, an dem er selbst gerade zweifelt.

Denn der «Einzige Staat», den Jewgenij Samjatin in seinem Roman «Wir» entwirft, hat die Mängel der Menschheit mithilfe von mathematischer Gleichschaltung ausgemerzt: Anstelle von Namen tragen alle Menschen eine Nummer, sie leben in transparenten Behausungen und folgen, auf die Sekunde genau, dem selben Tagesplan – inklusive des nachmittäglichen Spaziergangs zur Erholung, der sich eher wie ein Massenaufmarsch à la Riefenstahl ausnimmt. D-503 ist Mathematiker, glühend glaubt er an die Überwindung der lästigen Individualität durch knallharte Logik und führt das Publikum enthusiastisch strahlend in die Gesetze des «Einzigen Staates» ein. Bis ihm, wie könnte es anders sein, eine Frau den Kopf verdreht und er plötzlich eine Missbildung entwickelt: eine Seele nämlich.

Im Studio Werkhaus des Nationaltheaters Mannheim hat Roscha A. Säidow ...

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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Esther Boldt

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