Düsseldorf: Film und Theater
Filme auf dem Theater haben den Vorteil der geschlossenen Erzählung, die das Publikum schätzt, die das Theater, das sich um avancierte Zeitgenossenschaft bemüht, aber hinter sich gelassen hat. Filme auf dem Theater haben den Vorteil, dass das Theater an einem theaterfremden Stoff alle seine vielfältigen Mittel der ästhetischen Brechung linearer Narrativität einsetzen kann. Filme auf dem Theater sind theatrale Leistungsshows, sie können zeigen, was der Film alles nicht kann. Aber sie sind auch ein heimliches Eingeständnis der Inferiorität des Mediums Theater.
Filme auf dem Theater nutzen die Popularität des Kinos zur Zweitverwertung. Es bleibt immer ein Geruch von Second-Hand-Ware.
Zwei leicht unterschiedliche Strategien kann man in Düsseldorf sehen: offensive und defensive Theatralisierung von Filmstoffen. Roger Vontobels Inszenierung einer Bühnenfassung von Chuk Palahniuks Roman «Fight Club» bzw. dessen Verfilmung von David Fincher (1999) stellt heraus: Dies ist Theater. «Ich bin nicht Brad Pitt», ist der erste Satz des Abends. Die Bühne in der Ausweichspielstätte Central ist ein Quadrat, umgeben von einem Karree aus Zuschauertribünen wie bei einem Boxring (Bühne: Fabian ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Gerhard Preußer
Einen einhelligen Abräumer gab es nicht bei der 15. und mit 14 eingeladenen Produktionen bislang umfangreichsten Ausgabe des Junge-Regie-Festivals «Radikal jung» am Münchner Volkstheater. Dafür eine breite Spanne mehr oder weniger kluger, tiefgründiger, fieser, witziger und überschwänglicher Selbstverortungsversuche – wobei weniger die opulenten...
Am Anfang war: ER. Der Mensch als Maß aller Dinge, damit er über die Fische im Meer und die Vögel am Himmel, über das Vieh und alle wilden Tiere und über alle Kreaturen, die sich über den Boden bewegen, herrschen konnte.
Er trennte sich vom Tanzen und Rezitieren des griechischen Chorus und sprach: «ICH» – die Geburt des tragischen Helden. Von dort ging er hinaus...
Wie leicht es doch ist, aufzufallen in unserer (selbsterklärtermaßen) toleranten, offenen Gesellschaft! Ein ungewohnter Laut im Theater, ein Zucken des Kopfes in der U-Bahn, ein unkontrollierter Ausruf am Strand: Menschen mit Tics können ein Lied davon singen. Leises Pfeifen, Zungenschnalzen und Miau-Laute sind der Sound, mit dem «Chinchilla Arschloch waswas....
