Aufgaben für die Zukunft des Balletts
Unruhig schleicht der Tänzer um die Bühne, wo Tänzerinnen und Tänzer ihre Kostüme aus den Kisten holen und das Bühnenbild langsam aufgebaut wird. Nervös und ungeduldig beobachtet er, wie das Ballett, eine Rekonstruktion von Jean Börlins «La création du monde» von 1923 für die Ballet Suédois in Paris choreografiert und uraufgeführt, vor ihm eingerichtet wird.
Millicent Hodson und Kenneth Archer haben den Klassiker der Moderne in der konstruktivistischen Ausstattung des Künstlers Fernand Léger und dem Libretto des Dichters Blaise Cendrars im Jahr 2000 für das Grand Théâtre in Genf rekonstruiert.
Erst am Ende erfahren wir, warum der afrikanische Tänzer derart nervös an der Rampe auf und ab ging. Wie nach der Vorstellung deutlich wird, hat ihn das Geschehen hochgradig irritiert. Djodjo Kazadi, so heißt die Figur, hinter der sich das Alter Ego des Künstlers Faustin Linyekula verbirgt, protestiert gegen die Auslöschung seiner Identität als Kongolese, die er heute nur noch durch den kolonialen Blick der Westeuropäer und deren Imagination betrachten kann. Er mokierte sich mit einer Karikatur des populären «Black Bottom»-Tanzes über die europäische Sicht auf afrikanischen Tanz und auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 56
von Gerald Siegmund
Matthew Lopez' zweiteiliges Bühnenepos «Das Vermächtnis», inspiriert von Motiven aus E. M. Forsters 1910 erschienenem Gesellschaftsroman «Howards End», beginnt mit dem, was jedem Erzählen vorausgeht. Am Anfang ist der Drang – ein Impuls, eine durch und durch körperlich empfundene Regung. Noch vor dem ersten Wort drängt etwas, drängt zu erzählen. Und so tasten sich...
Neulich lag ich im Bett mit zwei Chilenen, einer Brasilianerin, einer älteren Indonesierin, einem Pärchen aus Los Angeles und ein paar Russen. Wir hörten Madhusree zu, wie sie ein altes bengalisches Lied sang. Bei ihr in Kalkutta war es spät in der Nacht, und selbst bei Sunny, die mittlerweile in Talinn lebt, war durch das Fenster draußen schon die esthnische...
Lapis Lydius ist ein kleiner Stein, der zur Feststellung des Reinheitsgrades von Edelmetallen benutzt wird. Ein Prüfstein. Er muss stets sauber sein und vor der Prüfung mit Mandelöl eingefettet werden. Vermutlich würde man der Hauptfigur, Dylan, mit dieser Erklärung nichts Neues erzählen, denn er ist ein grenzenlos Wissender. Dylan ist ein Mann in den Vierzigern...
