Neue Stücke

Die interessantesten Uraufführungen im Mai, ausgewählt von der «Theater heute»-Redaktion.

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Das ist die Grundfrage am Anfang jedes Stückeschreibens: Guck ich rein oder raus? Rein ins Dunkle des scheinbar heilen Familienlebens oder raus in die Welt, auch kein erfreulicher Anblick? In Bochum begibt sich Reto Finger ins «Haus am See», wo sich die erweiterte Familie alljährlich trifft und es diesmal mit einem unerwarteten Gast ans Eingemachte geht (R: Anselm Weber). Martin Heckmanns versammelt seine Kleinfamilie gleich im familientherapeuthischen Stuhlkreis: «Vater, Mutter, Geisterbahn» betrachtet Christoph Frick in Dresden.

Schillers «Bürgschaft»-Frage nach der Treue in existenzieller Situa-
tion hat in Frankfurt Lothar Kittstein zur Folie für sein gleichnamiges Stück gemacht, in dem in die heile Welt eines Paars unerwartet die Gewalt einbricht. Lily Sykes inszeniert. In ihrem Baden-Badener Auftragsstück «Die mich jagen» versucht Eva Rottmann, den Radius des Privaten zu erweitern: Rich Kids, die sich zur ersten Liebe treffen, werden unvermutet mit dem Rentner Adam und der Frage nach sozialer Gerechtigkeit konfrontiert (R: Laura Huonker). Auch Sören Voimas Kindheitsfreunde tragen in Hannover einen größeren Konflikt aus: In «Ursprung der Welt» wird Herodots Motiv der ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Service, Seite 62
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Da liegt sie, auf den Brachflächen des alten Werftgeländes: die Halle 207. An ihren Stahltüren neben den kaputten Fenstern prangen noch die Plakate von voriger Saison: «Broadway in Rostock 19.06. – 03.09. 2010». Dieser Schlummerkoloss ist das jüngste Renommierobjekt des Volkstheaters (VT), eine Sommerspielstätte für einige der rund drei Mil­lionen Touristen, die...

Revolution? Von wegen

Kimmigs Fassung von Gorkis Prä-Revolutionsdrama «Kinder der Sonne», geschrieben 1915 in Festungshaft, ist politisch erfreulich unsentimental. Kimmig lässt dezidiert alle Szenen weg, die bei Gorki auf einen bevorstehenden Aufstand der Unterschicht verweisen. Revolutionskitsch im BE-Stil oder vermeintlich «linkes» Kunstgewerbe-Pathos à la Lösch sind nicht so Kimmigs...

Aufführungen

Nein, es ist keine Romanbearbeitung, mit der Michael Thalheimer seine erste Regie an der Berliner Schaubühne vorstellt. Der Großromancier Lew Tolstoi hat 1886 mit «Die Macht der Finsternis» ein veritab­les Drama, fünf Frauen, sechs Männer, um die Gier, das Geld und den Tod geschrieben. Sechs Jahre früher hat der sehr junge Kollege Tschechow seinen müden...