Auf Sand gebaut

nach George Orwell «Animal Farm», Ewald Palmetshofer nach Hauptmann «Vor Sonnenaufgang» am Theater Rampe Hannover

Theater heute - Logo

Was für ein Schweinesystem! In Hannover, im Ballhof Eins, hat Emre Akal «Animal Farm» weitergedreht, hat an das Ende dieser dystopischen Fabel aus dem Jahr 1945 seinen Anfang gesetzt: Die Schweine, die in George Orwells Text immer mehr den Menschen ähneln, regieren über die Menschen. Und die Menschen, oder eben das, was von ihnen übrig geblieben ist, sind die Unterdrückten. Sind die Ausgebeuteten, die Ausgelaugten. Gemeinsam mit der Dramaturgin lvin Ilhan hat Akal diese aussichtslose Fassung erstellt.

Für die Bühne hat die Ausstatterin Lara Roßwag drei eindrucksvoll beengte Dioramen geschaffen und – mit schlaffer Haut, hängenden Genitalien und leergesaugten Brüsten – höchst eindrucksvolle Kostüme. Fahlgelb als Nichtfarbe bestimmt die sichtbar ungesunde Atmosphäre dieses Abends, in dem die eingesperrten und drangsalierten Menschen (detailgenau und minimalistisch dargestellt von Cino Djavid, Stella Hilb, Helene Krüger, Peter Sikorski und Nicole Widera) ihr tristes Dasein fristen. Dieses besteht aus: Gebären, Milch abpumpen, Samen spenden, Rüben ernten und Opfergaben bringen.

Kurze kichernde Pausen auf einer Schaukel sind ihr sparsames Freizeitvergnügen. «Ollet for hi holy tins», ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann

Weitere Beiträge
Mehr Weniger wagen

Prosperunda, die auf eine Insel verbannte Ex-Herzogin von Mailand, hasst ihren Namen und nennt sich lieber Pros. Dass man da auch «Boss» verstehen kann, ist das eine. Man fragt sich aber auch, wo liegt das Problem? Da darf einer der interessantesten Protagonisten der abendländischen Theaterliteratur endlich eine Frau sein – aber plötzlich stellt sich heraus, dass...

K. im Homeoffice

Da steht er nun, die Beine breit, Gesicht zur Wand, den Hintern entblößt, und eine Geheimpolizistin scannt den sonst auf gut gepolsterte Bürostühle vertrauenden Allerwertesten des Versicherungsangestellten mit ihrem Smartphone kaltschnäuzig ab. Geht auch gleich viral, das Filmchen. Auf die Klicklust der Community ist Verlass, solange die Bilder die Basic Instincts...

Schnitter und Schnittchen

Die Gegenwart liefert. Dramatisches Material, so weit das Auge reicht: Eben noch wurde der mittlerweile vorbestrafte Donald Trump erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, jetzt spricht sein neuer Buddy und künftiger Schleifer demokratischer Institutio -nen, zufällig der reichste Mann der Welt, Wahlempfehlungen für die AfD aus; steuert...