Mehr Weniger wagen

Neustart in Karlsruhe: Schauspieldirektor Claus Caesar und sein Team betreten auf leisen Sohlen ein im Umbau befindliches Staatstheater und stellen sich mit zwei unterschied- lich temperierten Uraufführungen vor

Theater heute - Logo

Prosperunda, die auf eine Insel verbannte Ex-Herzogin von Mailand, hasst ihren Namen und nennt sich lieber Pros. Dass man da auch «Boss» verstehen kann, ist das eine. Man fragt sich aber auch, wo liegt das Problem? Da darf einer der interessantesten Protagonisten der abendländischen Theaterliteratur endlich eine Frau sein – aber plötzlich stellt sich heraus, dass die Figur nach erfolgter Geschlechtsumwandlung ihren neuen Namen doof findet. Das halbstarke Gemotze zeigt allerdings nicht nur, dass Theaterfi -guren im Fall von übergriffigen Namensänderungen Ärger machen können.

Die dafür verantwortliche Autorin legt in ihrer Neubearbeitung von «Der Sturm» auch Wert darauf, dass die ehemaligen und aktuellen Machthaber in Shakespeares Alterswerk auch als Frau so machistisch orientiert sind, wie das ansonsten nur Männern zugeschrieben wird. Eine der Folgen: Die Inselfürstin muss damit zurecht kommen, dass ihr aus der klassischen Vorlage ein auf Buchwissen und Zauberkunst basierender Machtanspruch zuwächst, der schon sehr früh die Geisteshaltung beschrieben hat, mit der europäische Usurpatoren die Welt kolonialisierten. Mit im Spiel war auch die oberste Dienstherrin des damaligen Autors, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2025
Rubrik: Neustart Karlsruhe, Seite 40
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Frauen schreiben Frauen

Von wegen Geschichte wiederholt sich nicht! Wer redet heute noch von Fortschritt, zumindest in einem Stück, das ganz programmatisch «Replay» heißt? Und damit auch niemand auf falsche Gedanken kommt, hat Yael Ronen ihrem neuen Werk an der Berliner Schaubühne einen kleinen Erklärbär-Monolog vorgebaut, in dem sich eine Lotte, die an der Schwelle zur Me -nopause steht,...

Im Schutz des Ballrooms

Nach Dinçer Gücyeters «Unser Deutschlandmärchen» am Gorki und «Archiv der Sehnsüchte» nach Deniz Utlu am Schauspiel Hannover ist Necati Öziris «Vatermal» bereits die dritte Romanadaption, die Regisseur Hakan Savas Mican innerhalb weniger Monate auf die Bühne bringt. Alle Inszenierungen erzählen aus der Perspektive von Söhnen der ersten Generation türkischer...

Raphaela Bardutzky: Altbau in zentraler Lage

Das Stück kann aufgrund seines Layouts nicht im Browser dargestellt werden.

Abonnenten können es elektronisch im E-Paper oder in unserer App lesen. Oder wenden Sie sich für ein PDF an die Redaktion.