Mehr Weniger wagen
Prosperunda, die auf eine Insel verbannte Ex-Herzogin von Mailand, hasst ihren Namen und nennt sich lieber Pros. Dass man da auch «Boss» verstehen kann, ist das eine. Man fragt sich aber auch, wo liegt das Problem? Da darf einer der interessantesten Protagonisten der abendländischen Theaterliteratur endlich eine Frau sein – aber plötzlich stellt sich heraus, dass die Figur nach erfolgter Geschlechtsumwandlung ihren neuen Namen doof findet. Das halbstarke Gemotze zeigt allerdings nicht nur, dass Theaterfi -guren im Fall von übergriffigen Namensänderungen Ärger machen können.
Die dafür verantwortliche Autorin legt in ihrer Neubearbeitung von «Der Sturm» auch Wert darauf, dass die ehemaligen und aktuellen Machthaber in Shakespeares Alterswerk auch als Frau so machistisch orientiert sind, wie das ansonsten nur Männern zugeschrieben wird. Eine der Folgen: Die Inselfürstin muss damit zurecht kommen, dass ihr aus der klassischen Vorlage ein auf Buchwissen und Zauberkunst basierender Machtanspruch zuwächst, der schon sehr früh die Geisteshaltung beschrieben hat, mit der europäische Usurpatoren die Welt kolonialisierten. Mit im Spiel war auch die oberste Dienstherrin des damaligen Autors, ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Neustart Karlsruhe, Seite 40
von Jürgen Berger
Der «Camino Real» ist für Lavinia Nowak ein weiter Weg in die Freiheit. Am Wiener Volkstheater vermengt die Regisseurin Anna-Sophie Mahler etliche Ensemblemitglieder mit der bekannten US-Band Calexico auf der Bühne zu einer recht konzertanten Inszenierung von Tennessee Williams’ seltsamstem Stück.
Sich neben solchen popmusikalischen Schwergewichten zu profilieren,...
Menschen und fast alle Tiere träumen. Jede und jeder völlig verschieden. Marina Abramovic behauptet, ihre Träume seien lediglich grün und blau. Wenn wir träumen, sind wir in einem gefährlichen Zustand, schwer zu wecken und leichte Beute für Feinde. Wenn der Zustand gefährlich ist und dennoch von der Evolution nicht eliminiert wurde, liegt doch der Schluss nahe,...
Die schmutzigen Hände», Klassiker des Existenzialismus, Rededrama mit klaren philosophischen Positionen. Gut für die Schule, schlecht fürs Theater. Die sich gleichwohl immer wieder darum bemühen, weil sie ja auch den Schüler:innen was bieten müssen. So jetzt das Schauspielhaus Zürich, wo die Nachkriegspolitparabel nebenbei vor 76 Jahren zum ersten Mal auf deutsch...
