Auf der Suche nach der verlorenen Realität
Eine grüne Drehbühne, im Hintergrund eine runde Bildprojektion. Vorn ein Stehpult für die Hauptdarsteller: Erst spricht der Bundespräsident, dann die Kanzlerin und jetzt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er dreht und wendet etwas linkisch das Manuskript, bevor er anfängt. Dafür gibt es vom gefüllten Auditorium des Badischen Staatstheaters Szenenapplaus. Er schmatzt und nuschelt ein wenig. Das kommt an. Das wirkt authentisch. Inmitten der vielen professionellen Redner, die an diesem Morgen, Ende September, aus Anlass des 60.
Geburtstags des Bundesverfassungsgerichts auftreten, spricht ein Experte des Alltags. Danach erneut Reden, Reden, Reden. Dann tritt eine Gerichtsdienerin ein und erklärt mit vielen Versprechern und in breitestem Badisch zunächst, wie sie Tag für Tag die Fahne hisst, dann, was folgt: «100 Prozent Karlsruhe». Die Versuchsanordnung von Rimini Protokoll führt in nuce das Volk vor. 100 Bürger verkörpern die statistische Zusammensetzung ihrer Stadt: Alte, Kinder, Lehrer, Topverdiener, Witwer, Geschiedene, Vereinsmeier, Parteisoldaten, Leute aus den Vororten, Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn später die 100 Akteure sich in Grüppchen unter «ich» oder ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Theorie, Seite 42
von Nikolaus Müller-Schöll
Wer inszeniert eigentlich noch Heiner Müller? Die Frage lässt sich erschreckend klar beantworten: Im April plant Nuran David Calis in Stuttgart «Der Auftrag», spielplanlogisch die Fortsetzung von «Dantons Tod» aus der letzten Spielzeit, und im November hatte Dimiter Gotscheff Premiere von «Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten» im Deutschen...
Aachen, Grenzlandtheater
27. Wainwright, Das Verhör (U)
R. Anja Junski
Aachen, Theater
5. Heckmanns, Hier kommen wir nicht
lebendig raus. Versuch einer Heldin
R. Roland Hüve
7. Lausund, Konfetti! Ein Zauberabend
für politisch Verwirrte
R. Martin Kloepfer
14. Molière, Tartuffe
R. Christina Rast
Baden-Baden, Theater
13. Kannstein, Das Phantom des Louvre
R. Thomas Höhne
Basel,...
Lässt die französische Hausfrau ihrem Unmut freien Lauf, wissen die Kinder, dass sie sofort ihr Zimmer aufräumen müssen. Immerhin hat die Mama mit ihrem «Oh, le bordell» einen Zustand der größtmöglichen Unordnung markiert, den sie nicht mehr länger zu dulden gewillt ist.
In etwa so ist es auch in Shakespeares «Maß für Maß» und Jean Genets «Der Balkon», die jetzt in...
