Auf der Geldbühne
Hannes ist ein ungewöhnlich belesener Bademeister mit interessanten Vorlieben.
Einerseits finden sich in seiner Umkleide die aktuellen Klassiker der Kritik am Neoliberalismus wie Saskia Sassen, Richard Sennett oder Slavoj Zizek, andererseits gehört auch Hans von Dach zum Lektüreprogramm, der 1957 in der Schweiz mit seiner Schrift «Der totale Widerstand, Kriegsanleitung für jedermann» einen breiten Leserkreis auf einen sowjetischen Einmarsch in der Alpenrepublik vorbereitet hat: In der Summe durchgeistern das Bademeisterdenken reichlich partisanenhafte Vorstellungen von Kapitalismuskritik. Kein Wunder, dass sein Kollege Leon, ein sprachspielerisch aufgelegter Masseur, Hannes’ Bücherspind einen «spinnt» nennt.
Ferdinand Schmalz hat für sein neues Stück ein Thermalbad mit Sanierungsstau als Dampfzelle der Ökonomie gewählt. Wellness hat Konjunktur. Schließlich müssen die ausgebrannten Arbeitnehmerkörper möglichst rasch wieder funktionabel in Schuss gebracht werden. Der überschaubare Ort hat Platz für die ganze Marktwirtschaft und ihre kleinen Irrtümer. Kurverwalterin Roswitha träumt, mit Investorenmillionen in die Luxusliga der Wellnessbranche aufzusteigen, und hat leider übersehen, ...
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Tanz kann bekanntlich Berge versetzen. Zumindest psychische, wie es anno 2007 Royston Maldoom in den pubertierenden Seelen großstädtischer Hauptschüler gelang, indem er sie in der Treptower Arena zum Tanzen von Strawinskys «Sacre du Printemps» brachte. Ein seitdem weithin kopiertes Prinzip. Die potenziell heilende Kraft des Community Dance nutzte aber bereits in...
Dass Ultras ihren Fußballclubs nicht nur schaden, sondern ganz im Gegenteil auch behilflich sein können, haben die Fans des 1. FC Nürnberg bewiesen. Sie – und nicht etwa Historiker oder vom Verein bestellte Rechercheure – holten ein lange verschwiegenes Kapitel aus der Geschichte des legendären Clubs hervor und präsentierten es in einer aufsehenerregenden...
Scheinbar hat sich am National Theatre gar nicht so viel getan, seit Rufus Norris letzten Sommer seine allererste Spielzeit vorstellte. Der Mix aus Klassikern und neuen Stücken blieb erstaunlich stabil, wenn man bedenkt, dass Norris seinen Namen mit «New Writing» gemacht hat. Doch auf den zweiten Blick zeigen sich subtile Umgewichtungen. Norris ist – man höre und...
