Auf der Geldbühne
Hannes ist ein ungewöhnlich belesener Bademeister mit interessanten Vorlieben.
Einerseits finden sich in seiner Umkleide die aktuellen Klassiker der Kritik am Neoliberalismus wie Saskia Sassen, Richard Sennett oder Slavoj Zizek, andererseits gehört auch Hans von Dach zum Lektüreprogramm, der 1957 in der Schweiz mit seiner Schrift «Der totale Widerstand, Kriegsanleitung für jedermann» einen breiten Leserkreis auf einen sowjetischen Einmarsch in der Alpenrepublik vorbereitet hat: In der Summe durchgeistern das Bademeisterdenken reichlich partisanenhafte Vorstellungen von Kapitalismuskritik. Kein Wunder, dass sein Kollege Leon, ein sprachspielerisch aufgelegter Masseur, Hannes’ Bücherspind einen «spinnt» nennt.
Ferdinand Schmalz hat für sein neues Stück ein Thermalbad mit Sanierungsstau als Dampfzelle der Ökonomie gewählt. Wellness hat Konjunktur. Schließlich müssen die ausgebrannten Arbeitnehmerkörper möglichst rasch wieder funktionabel in Schuss gebracht werden. Der überschaubare Ort hat Platz für die ganze Marktwirtschaft und ihre kleinen Irrtümer. Kurverwalterin Roswitha träumt, mit Investorenmillionen in die Luxusliga der Wellnessbranche aufzusteigen, und hat leider übersehen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Mann trifft eine Frau. Trifft? Naja. Fischt sie aus dem Meer nach ihrem Suizidversuch oder «Burn-out im Wasser», wie sie es nennt. Er ist Deutscher, sie Türkin, beide urlauben im Mai am Kalami Beach auf Korfu. Und sie verlieben sich, natürlich, vor roten Felsen und wogenden Wellen. Doch dann ist sie, die sich unfruchtbar wähnte, plötzlich schwanger. Erzählt...
Tanz kann bekanntlich Berge versetzen. Zumindest psychische, wie es anno 2007 Royston Maldoom in den pubertierenden Seelen großstädtischer Hauptschüler gelang, indem er sie in der Treptower Arena zum Tanzen von Strawinskys «Sacre du Printemps» brachte. Ein seitdem weithin kopiertes Prinzip. Die potenziell heilende Kraft des Community Dance nutzte aber bereits in...
Na gut: «Wir sind ja nur Halbbrüder», derselbe Vater, verschiedene Mütter; und da Manuel und Günther Harder biografisch auch noch sechs Jahre auseinander liegen, haben sie einerseits ein bisschen Glück gehabt, weil sie nie in der gleichen Theateraltersklasse konkurrieren mussten; aber womöglich auch ein bisschen Pech – denn immer mal wieder war und ist von...
