Auf Augenhöhe
Zu Beginn winkt man sich zu, ganz entspannt von Kontinent zu Kontinent. Im Garten des Musée Paul Ahyi in Lomé, wo es gerade einen kleinen Regenschauer gab, und in der Therese-Giehse-Halle der Münchner Kammerspiele hat sich das Publikum zum gemeinsamen Blick auf ein heikles Thema versammelt. Doch zuerst gibt es zum Aufwärmen ein bisschen Smalltalk über viereinhalbtausend Kilometer hinweg. Wo liegt eigentlich München und wo Lomé, wird die jeweils andere Seite gefragt, und die Zahl der hochgereckten Hände ist durchaus ähnlich dünn.
Handys haben aber alle und schwenken sie vor dem Stummschalten fröhlich in die Kamera. «Die Verbindung zwischen Europa und Afrika läuft nicht immer reibungslos, aber sollte es einmal eine Unterbrechung geben, werden wir alle gemeinsam daran arbeiten, um verbunden zu bleiben», verspricht Conférencier Ramsès Alfa auf Französisch und Deutsch. Doch in den nächsten 75 Minuten klappt alles reibungslos.
Sicher gehört ein gewisses Goodwill-Moment zum Abarbeiten postkolonialer Schuldenberge bei derart aufwendigen Koproduktionen immer mit dazu. Doch mit seiner inzwischen über zehnjährigen Afrika-Erfahrung, unter anderem im Revolutionsjahr 2014 in Burkina Faso, ist ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Silvia Stammen
«Die Schwarze Spinne», Jeremias Gotthelfs Gruselklassiker vom Pakt mit dem Teufel, den die schlauen Emmentaler austricksen wollen, worauf er die Seuche übers Land schickt – was lässt sich nicht alles darin finden! Nur schon in den jüngsten Schweizer Inszenierungen: Barbara David-Brüesch machte die Parabel in Luzern zum Xenophobie-Grusical. Tilmann Köhler in Basel...
Wir gehen volles Risiko / Heute Nacht wird riesengroß», was da zu Beginn ironisch durch das Burgtheater dröhnt, klingt zwar schwer nach Schlagerkönigin Helene Fischer, ist aber von der Schweizer Konkurrenz Beatrice Egli. Der Song beweist: Man singt zwar gern von Wagnis, setzt aber trotzdem lieber auf bewährte Erfolgsmuster. Ein passender Einstieg für eine...
Es liegt Mehltau über den Komödien unserer Tage. Ein Gefühl, dass unsere Vitalität schwindet. Die schönen Jahre der Friedensrendite sind vorüber, die billigen Kredite, das selbstvergessen unbeschwerte Wachstum. «Jetzt präsentiert uns der sogenannte Sozialismus / die Rechnung», heißt es im «Theatermacher» von Thomas Bernhard, «die Kassen sind leer / Europa ist...
