Auf Augenhöhe
Zu Beginn winkt man sich zu, ganz entspannt von Kontinent zu Kontinent. Im Garten des Musée Paul Ahyi in Lomé, wo es gerade einen kleinen Regenschauer gab, und in der Therese-Giehse-Halle der Münchner Kammerspiele hat sich das Publikum zum gemeinsamen Blick auf ein heikles Thema versammelt. Doch zuerst gibt es zum Aufwärmen ein bisschen Smalltalk über viereinhalbtausend Kilometer hinweg. Wo liegt eigentlich München und wo Lomé, wird die jeweils andere Seite gefragt, und die Zahl der hochgereckten Hände ist durchaus ähnlich dünn.
Handys haben aber alle und schwenken sie vor dem Stummschalten fröhlich in die Kamera. «Die Verbindung zwischen Europa und Afrika läuft nicht immer reibungslos, aber sollte es einmal eine Unterbrechung geben, werden wir alle gemeinsam daran arbeiten, um verbunden zu bleiben», verspricht Conférencier Ramsès Alfa auf Französisch und Deutsch. Doch in den nächsten 75 Minuten klappt alles reibungslos.
Sicher gehört ein gewisses Goodwill-Moment zum Abarbeiten postkolonialer Schuldenberge bei derart aufwendigen Koproduktionen immer mit dazu. Doch mit seiner inzwischen über zehnjährigen Afrika-Erfahrung, unter anderem im Revolutionsjahr 2014 in Burkina Faso, ist ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Silvia Stammen
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