Schreibend Körper werden

Kim de l’Horizons «Blutbuch» wurde mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet, mit Simon Froehlings «Dürrst» steht der Roman auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis. Beide kommen von der Dramatik und verhandeln queere Lebenswelten

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Dürrst heißt Andreas Durrer, er ist ein angesagter bildender Künstler aus Zürich, er ist jung und reich und hedonistisch; und er ist auf der Suche nach dem Glück, seiner bipolaren Störung zum Trotz. «Du bist gesund genug, dich zu verlieben, beschließt du an einem selbst für Athen ungewöhnlich heißen Oktobermorgen – ja, traust dich sogar zu sagen: gesund genug für die Liebe», sagt Dürrst eingangs zu sich selbst, und in der Behauptung steckt die ganze Kraft, die ihn dieses «gesund genug» auf den kommenden 260 Seiten kosten wird.

 

Was nun nicht heißen soll, dass die Lektüre von Simon Froehlings «Dürrst» anstrengend sei. Im Gegenteil: Schon die Form packt, der durchgehende Appellativ ist Selbstreflexion der Erzählfigur zugleich wie auch direkte Ansprache der Lesenden. Wir folgen Dürrst auf einem vielgesichtigen, vielschichtigen Parcours durch Städte und Milieus, in Coming-of-age-Rückblenden und einer gegenwärtigen Erzählung vom neu Beginnen, im Sichverlieben und in der Kunst. 

Bilder aus dem Innern der Psychiatrie überblenden sich mit solchen aus den Safe Spaces eines besetzten Hauses und des besorgten Freundeskreises, auf atemlos manische Strecken fast ohne Punkt und Komma folgt auch ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Bücher, Seite 47
von Andreas Klaeui

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