Archäo­logie des Gefühls

Rainer Werner Fassbinder – Leiden an Deutschland, Leiden an der Liebe

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Bevor es ernst wird – und ich Ihnen einige unordentliche Ge­danken vortrage –, beginnen wir scheinbar heiter. Sie ken­nen das Aperçu von Oscar Wilde: «Alle Frauen werden wie ihre Mütter, das ist ihre Tragödie. Kein Mann wird wie seine Mutter, das ist seine Tragödie.»
Es gibt kaum eine intimere Situation, mir fällt nur noch eine andere Zweisamkeit ein, als die zwischen Mutter und Sohn. Wobei auch die andere, die zwischen Liebendem und Geliebtem, in der 25-minütigen Episode von Rainer Werner Fassbinders Beitrag zu «Deutschland im Herbst» enthalten ist.

Fassbinder erzählt das Privateste, inszeniert in seiner Wohnung in München. Ein verbaler Kampf mit seiner Mutter Lilo Pempeit, die von ihrem Sohn sagte, er sei, kaum habe er sprechen können, eine einzige Herausforderung gewesen. Es ist die bleierne Zeit 1977 nach der Schleyer-Entführung durch die RAF und deren tödliche Folgen. Auch Fassbinder – fahrig, gereizt, schlecht drauf, ein Nervenbündel – fürchtet als sogenannter Sympathisant die nicht minder gereizte Staats­autorität. Das Politische dringt durch jede Pore.

In der Diskussion mit seiner Mutter über die freiheitliche Ordnung und die Entkräftung des Rechtsstaats vertritt er die ...

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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Akteure, Seite 44
von Andreas Wilink

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