Dem Antisemitismus abgetrotzt
Das Buch beginnt mit einem Abstieg in die Unterbühne, das Reich der Eisenträger, Hubvorrichtungen und Stromschaltkreise. Dort findet sich noch heute, gleichsam im Zentrum des Betriebs, ummauert und verputzt, den Augen entzogen, das Antriebssystem jener mächtigen Drehbühne, die Max Reinhardt, bis heute prominentester Hausherr des Deutschen Theaters, 1905 einbauen ließ.
Die vormals trägen und betulich wirkenden Szenenwechsel des Biedermeier wurden in einen fließenden Ablauf gebracht, immer neue Bilder konnten, wie im Film, aber in Farbe aus dem Dunkel der Hinterbühne vor den Augen des Publikums erscheinen. Der technische Apparat war auf der Höhe der Zeit, mehr noch: Er bestimmte Rhythmus und Geschwindigkeit, wurde zum Taktgeber der Geschichte.
Esther Slevogt beschreibt das Deutsche Theater mitreißend als einen Dreh- und Angelpunkt deutscher Geschichte: Ein Jahrhunderttheater zwischen Kaiserreich und Berliner Republik, bürgerliches Künstlertheater unter den Sozie -tären um Adolphe l’Arronge, Schauplatz eines neuen sozialen Realismus unter der Intendanz Otto Brahms, meist beachtetes Privattheater Europas vor und nach dem Ersten Weltkrieg unter der Intendanz von Max Reinhardt, ...
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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Jan Lazardzig
Am Ende wird dann doch noch gerappt, wie es sich zu einem Jugendstoff aus den 2000er Jahren gehört. Die acht Mitglieder des Leipziger Schauspielstudios performen als Zugabe zu «Nullerjahre» den Song «Plattenbau O.S.T.» mit der einschneidenden Textzeile «Verschwende deine Zeit». Das hat keine ironische Brechung wie bei den West-Punks der späten 1970er, das hier ist...
Theater heute Sima Djabar Zadegan und Aljoscha Begrich, Sie beide leiten dieses Jahr das Internationale Forum beim Berliner Theatertreffen. Was ist so besonders an diesem Format?
Aljoscha Begrich Ich war selbst 2014 Stipendiat und habe 2018 zusammen mit Akira Takayama einen Workshop geleitet sowie ähnliche Formate in Kopenhagen und Istanbul veranstaltet. Es ist...
Es war immer spannend mit dir.» Lizzy Timmers blickt verschmitzt melancholisch auf den Boden, genauer auf die Drehbühne, der diese Worte gelten. In ihrer Jenaer Abschiedsperfomance «So long, Jena» verabschiedet sie sich zusammen mit Paul Wellenhof vom Publikum in Jena. «Keep Jena wild», ruft sie dem Publikum zu und meint es so. Die Performance «So long, Jena» ist...
