Dem Antisemitismus abgetrotzt

Das Deutsche Theater Berlin als Dreh- und Angelpunkt deutsch-jüdischer Geschichte: Esther Slevogts Sachbuch «Auf den Brettern der Welt»

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Das Buch beginnt mit einem Abstieg in die Unterbühne, das Reich der Eisenträger, Hubvorrichtungen und Stromschaltkreise. Dort findet sich noch heute, gleichsam im Zentrum des Betriebs, ummauert und verputzt, den Augen entzogen, das Antriebssystem jener mächtigen Drehbühne, die Max Reinhardt, bis heute prominentester Hausherr des Deutschen Theaters, 1905 einbauen ließ.

Die vormals trägen und betulich wirkenden Szenenwechsel des Biedermeier wurden in einen fließenden Ablauf gebracht, immer neue Bilder konnten, wie im Film, aber in Farbe aus dem Dunkel der Hinterbühne vor den Augen des Publikums erscheinen. Der technische Apparat war auf der Höhe der Zeit, mehr noch: Er bestimmte Rhythmus und Geschwindigkeit, wurde zum Taktgeber der Geschichte.

Esther Slevogt beschreibt das Deutsche Theater mitreißend als einen Dreh- und Angelpunkt deutscher Geschichte: Ein Jahrhunderttheater zwischen Kaiserreich und Berliner Republik, bürgerliches Künstlertheater unter den Sozie -tären um Adolphe l’Arronge, Schauplatz eines neuen sozialen Realismus unter der Intendanz Otto Brahms, meist beachtetes Privattheater Europas vor und nach dem Ersten Weltkrieg unter der Intendanz von Max Reinhardt, ...

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Theater heute Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Jan Lazardzig

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