Foto: privat
Ankunft in der Fremde
Als nach zwei Stunden auf der Berlin-Charlottenburger Kantstraße die nächste Verabredung, Mutter Tscheplanowa, das «Schwarze Café» betritt, bin ich bereits so hypnotisiert wie Gucci, das mucksmäuschenstille Hündchen, das Valery Tscheplanowa vor fünf Jahren «gebraucht» gekauft hat.
Gucci hat links von ihr gesessen, ich rechts, während zwischen uns eine unerschöpfliche Energiequelle pulsierte: Valery Tscheplanowa hat am Vorabend zum 14ten und vorerst letzten Mal Gretchen, Helena und Nana in Frank Castorfs «Faust» gespielt, und es sieht ganz so aus, als habe sie diese siebenstündige Tour de Force in einen anhaltenden, glasklaren Glücksrausch versetzt. Sie wirkt gelöst, dabei hochkonzentriert und bereit, dem Leben in ihrem melodisch-literarischen, in seiner ausgestellten Innigkeit an alte Romy-Schneider-Filme erinnernden Deutsch ihre Liebe zu erklären.
Tatsächlich muss die «Faust»-Dernière ein Höllenritt gewesen sein. Sie hatte so starken Heuschnupfen, dass ihr trotz etlicher Cortisongaben immer wieder die Stimme versagte: «Aber die Kollegen – ich habe sowas noch nie erlebt! – haben mich so unterstützt gestern. Und auch die Zuschauer haben mir geholfen, als ich in Not war, sie haben ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Schauspieler*innen des Jahres, Seite 86
von Eva Behrendt
Kleine Stadt. Parkcenter, Auto, Parkplatz vor einem Lagerhaus, Gartenlaube. Spätsommer. Zwei Frührentner auf der Bank, Kaffee trinkend: Kathrin Wichert, noch, aber unglücklich verheiratet, Jürgen Raser, Hobbyphilosoph, Kapitalismuskritiker und verwitwet.»
Das ist das Setting für «Bambule im Herbst» von Dirk Laucke, der an seiner Chronik über das Leben der...
Wurde das nicht schon mal probiert? …
Tanz den Kommunismus / Sozialismus / Demokratie / Transformation des Kapitalismus / Kapitalismus ganz abschaffen / Philosophenkönige / Räterepublik / König Artus’ runder Tisch gegen die Barbarei des dunklen Zeitalters/ ...
Oder erst einmal:
Bedingungsloses Grundeinkommen / Arbeitslosigkeit umdefinieren / Wirkliche Gleichstellung...
Ich hatte mich den ganzen Abend einem Stapel von damals noch unübersetzten britischen Stücken gewidmet und mich im Zuge dessen schon durch zwei oder drei nicht wirklich gute, aber auch nicht wirklich schlechte Werke durchgekämpft. Kurz nach Mitternacht beschloss ich das letzte Stück, «Konsens» von Nina Raine, trotz der fortgeschrittenen Stunde noch in Angriff zu...
