Animalisches Innenleben
Der Titel hat Charme. Erst gegen Ende seines Textes gönnt Lukas Holliger den vier Mitstreitern dieser Fantasy-Party die Erkenntnis, «Pottwale … wollen werden wie wir. Kaum aus dem Wasser, realisieren die in ihren kalten Gehirnen, dass sie sich weder reibungslos in uns verwandeln können, noch, dass wir das Leben gut machen. Sie bleiben schockiert auf dem Sand liegen … und explodieren.»
Dem animalischen Innenleben, das solche Explosion freisetzt, entspricht das Puzzle-Spiel aus Gedankensplittern, Realistätsfetzen und Visionen, das den Text ausmacht.
Die Welt, wenigstens hier auf diesem Fleckchen Land, ist aus den Fugen. Dabei beginnt alles ganz harmlos. Marcel, der Protagonist, verzichtet freiwillig auf seinen Arbeitsplatz. Im abgewrackten Domizil seiner Vorväter sucht er Ruhe und Neuorientierung, vielleicht auch Belebung seiner Ehe mit Janine.
Der auf Ordnung hoffende Stücke-leser wittert einen roten Faden: Der Entwurf ins Künftige missrät ohne Bewältigung der Vergangenheit. Aber der Faden verliert sich. Die Situation scheint zunehmend brüchig, das Rasenstückchen schotten hohe, schroffe Wände ab, alle elektronischen Verbindungen nach draußen sind gekappt, überall Ameisen, und ein ...
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