Andreas Jüttner
Immerhin ein kleiner Mann sieht nach der großen Revolution noch so aus wie vorher: der Hausmeister (Dilaver Gök). Der darf im klischeegrauen Mantel auf die Bühne schlurfen und saubermachen, wenn die Herrschaften Revolutionäre beim heftigen Disput für und wider ein Guillotinen-Blutbad mal wieder den Konferenzraum verwüstet haben. Und was hat er selbst von der Revolution? «Es ist recht gut, dass das Sterben so öffentlich wird», ist der einzige
deutsche Satz in seinem kurzen, überwiegend türkischen Statement am Ende der Aufführung.
Öffentlich ist hier freilich alles: Nuran David Calis verarbeitet in seiner ebenso zeitnahen wie texttreuen Inszenierung das junge Phänomen der Medienrevolution. Gleich zu Beginn düsen Bilder eines (oder mehrerer?) Umstürze im Sauseschritt über die drei Fernseher, die
per Splitscreen in je neun Felder unterteilt sind – mit dem Effekt, dass dieser Revolutions-Schnelldurchlauf so berauschend unübersichtlich bleibt wie die rotierenden Bilder in einem Spielautomaten. News-Laufbänder à la n-tv künden von sich minütlich verschärfenden Krisensituationen, die Konvent-Konkurrenten überschreien sich bei «Anne Will» mit ihren Forderungen («Das ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Jüttner
Und dann, als sich die Applausordnung zerstreut und die Akteure hinter die Bühne strömen, ist sie noch einmal da, diese eigentümliche schwebende Bewegung. Wie ein Eiskunstläufer gleitet er die steile Showtreppe hinauf. Gelöst beinah. Nur der Oberkörper unter seinem braunen, etwas steifen Sakko, der will so gar nicht hoch. Der beugt sich leicht vor, die Arme...
Zugegeben, die Uraufführungsinszenierung von Annette Pullen am Deutschen Nationaltheater Weimar ist misslungen, leider. Das macht eine Einladung nach Mülheim schwierig, ja. Aber dieses Stück ist dennoch diskussionswürdig, auch wenn man es nicht in jeder Hinsicht
bejubeln muss; sprachlich etwa ist es nicht durchweg überzeugend. Trotzdem: «Einige Nachrichten an das...
Akklimatisiert hat er sich bereits mit einer kulinarisch angereicherten Ensemble-Fortsetzungs-Lesung von Lion Feuchtwangers München-Roman «Erfolg», die schon nach wenigen Terminen Kultstatus genoß. Nun wagt sich Johan Simons, seit einem halben Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, mit einem Abend über Ludwig II. ans Eingemachte bayerischer Selbstherrlichkeit,...
