An eigener Hand aus der Tiefe gehoben

Missbrauchsdramen in Berlin: «Call me Paris» von Yana Eva Thönnes an der Schaubühne, «Die Marquise von O. und –» in der Regie von Ildiko Gáspár am Deutschen Theater sowie «Das rote Haus» von Till Briegleb und Ersan Mondtag am Gorki Theater

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Die Stresemannstraße 30 ist heute ein eher unauffälliges, weiß-rosa gestrichenes Berliner Wohnhaus. Seine Lage links vom Willy-Brand-Haus und gegenüber des Hebbeltheaters (HAU 1), also zwischen (einstiger) Arbeiterpartei und Theater, ist allerdings überraschend stimmig: Einige der rund 200 sogenannten «Telefunken»-Gastarbeiterinnen aus Griechenland, Jugoslawien und vor allem der Türkei, die dort in den 1960er Jahren untergebracht waren, pflegten tatsächlich enge Verbindungen sowohl zur Arbeiterbewegung als auch zur Bühne.

Die spätere Büchnerpreisträgerin Emine Sevgi Özdamar hat hier gewohnt, das Intellektuellenpaar und Brecht-Fan-Gespann Nuran Oktar und Vasif Öngören leitete zeitweilig das «Wonaym», aus dem später ein Arbeiter:innen-Chor und Theaterprojekte hervorgegangen sind.

An diese Brutstätte linker, deutsch-türkischer Kultur, die bereits in den 1970er Jahren eine erste Blüte erlebte, erinnert Shermin Langhoff zu Beginn ihrer letzten Spielzeit als Gorki-Chefin. Dazu hat sie Regisseur Ersan Mondtag und Dramaturg Till Briegleb angeheuert, die gemeinsam auf der Basis mehrerer Interviews und Özdamars Erinnerungsroman «Die Brücke vom Goldenen Horn» ein Skript für «Das rote Haus» ...

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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt

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