An der Wand

Jens Harzer erinnert sich an letzte Proben mit Jürgen Gosch

Theater heute - Logo

An was ich mich an meisten erinnere, wenn wir «Onkel Wanja» spielen, das sind die Wiederaufnahmeproben vor genau einem Jahr im Haus der Berliner Festspiele. Über ein halbes Jahr hatten wir das Stück nicht gespielt, Gosch hatte gerade «Die Möwe» herausgebracht, und sein Gesundheits­zustand war deutlich schlechter geworden. Mein Respekt, wieder vor seinen Augen zu probieren und vor ihm zu spielen, war enorm. So sehr war ich dann doch nicht in seiner Welt, dachte ich, und meine Anspannung vor diesen zwei Tagen war groß.

Die Probe begann, und Gosch griff sofort ein, ihn beschäftigte einzig der Auftritts­beginn, fünfundzwanzigmal ließ er uns her­auskommen, er suchte danach, den Beginn des Spiels so weit nach vorne zu schieben, dass gar nichts mehr nach Beginn aussah; alles sollte schon im Fluss sein, sollte schon da sein, alles war ihm zu spät. Eine große Ungeduld stieg von ihm auf, sofort war die Aufführung von ihm selber attackiert. Er forderte mehr Unzufriedenheit, gröbere Mittel, mehr Beschwerde, mehr ohne Anfang, mehr ohne Ende. Ich war gebannt von diesem Zugriff, und dennoch erschien ich mir fremd in diesem Kontext, Goschs Aura einerseits und diese neue Suche andererseits konnte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2010
Rubrik: Regiearbeit, Seite 10
von Jens Harzer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Premieren im Januar

Aachen, Grenzlandtheater

Kasse: 00 41/1/261 21 79
25. Shanley, Zweifel

R. Anja Junski
 

Aachen, Theater

Kasse: 0241/47 84 244

16. von Mayenburg, Der Stein

R. Nicolai Sykosch

21. Mansmann nach Horváth, Jugend ohne Gott

R. Nora Mansmann

22. nach Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

R. Ann-Marie Arioli
 

Aalen, Theater der Stadt

Kasse: 07361/522 600

7. Keun,...

Der prophetische Blick

Schwer zu sagen, ob es sich bei dem virtuellen Star, der da hingebungsvoll über die Bühne der Kaserne Basel rockt, eher um eine Raubkopie von Robbie Williams oder um einen Michael-Jackson-Reinkarnationsversuch handelt. In jedem Fall ist der elastische junge Mann nicht umsonst mit dem entsprechenden Namen «Chris Crocker» gestraft: Das Regie-Trio Victor Moser, Elia...

Merry crisis

Die Atriden haben Nerven. «Dem Volke» haben sie auf ihren Palast der Republik gepinselt und die Front totalverglast. Das soll bürgernah wirken, transparent, offen für alle. Irgendwann muss den Atriden die ewige Bürgernähe aber auf den Geist gegangen sein, sie verrammelten die Türen, zogen die Vorhänge zu, segelten nach Troja und sind seither nicht mehr zu...