Amnesie im All

Nele Stuhler und Jan Koslowski spielen am Schauspiel Frankfurt mit «1994 – Futuro al dente (U)» die Zukunft durch

Theater heute - Logo

Der Captain hat sich in einer Bude aus Kissen verschanzt und liest, während die MS Futuro durch die unendlichen Weiten des Weltraums gleitet. Data Luv erklärt die Gemeinschaft der Zukunft, in der alle machen, was sie am besten können: 

Eine*r macht Aufstrich für alle. Zwei schrubben das Deck. Und der Nächste bereitet einen Tanzworkshop vor. Und wenn der Captain nicht anpacken will, ist das auch okay – schließlich basiert hier ja alles auf Freiwilligkeit und Arbeitsteilung.

Dass diese Gemeinschaft der Zukunft Bo-i-Bänd heißt und immer fünfköpfig daherkommt, ist dem Jahr geschuldet, in dem wir uns befinden: Es ist 1994. 

In den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt laden Nele Stuhler und Jan Koslowski zu «1994 – Futuro al dente». Stuhler, die Angewandte Theaterwissenschaft und Szenisches Schreiben studierte, und Koslowski, der ein Regiestudium absolvierte, haben sich an der Berliner Volksbühne kennengelernt. Die geteilte Vergangenheit sieht man ihren Stücken an, sie sind zitat- und anspielungsreich, witzig und schnell. Theater ist bei ihnen immer eine ausgesprochene Einladung zum Spiel: Zum Wortspiel, zum Spielen mit Rezeptionsebenen, aber auch zum ganz physischen Spiel, zur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 34
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Kein Autopilot. Nirgends

In einer Rezension des deutschen Musikfilms «Ich war noch niemals in New York» las ich: «Man sollte sich bei Musicals nicht an der Triftigkeit von Handlungen aufhalten.» Ob es einen Kritiker in New York gibt, der so eine These wagen würde? Ich war im Herbst eine Woche in New York, um mir Musicals anzuschauen. Vom Schauspiel und der Schauspielausbildung kommend,...

Wie Demokratie endet

Im Schauspiel muss man schauen, lange schauen. Leise rieselt der Schnee auf eine geborstene Villa. Käuzchen schreien, Wölfe heulen, es donnert in der Heimat hinter den Blitzen rot. Stumm stehen die Tannen herum. Eine Lawine hat den Konzertflügel unter sich begraben. Sieben Tote liegen starr im verharschten Firn. Spät kommt das Personal: ein weinendes Kind, eine...

Nürnberg: Mit Sprache geschlagen

Das ist nicht der romantische Unschlittplatz, wo man ihn einst fand, verwirrt, verdreckt und stammelnd. Das ist der harte Eiserne Vorhang, an den zwei Herren in weißen Anzügen den Kaspar Hauser schmeißen, immer wieder, brutal und ohne Gnade für die arme Geburt. Einen Jux machen sie sich daraus, die Kreatur zu demütigen, sie mit Worten und Fäusten zu traktieren. Die...