Theorietheater: Soziale Gärungsprozesse

Kreisläufe und Transformationen neu denken: das nachhaltige Kunstprojekt «Ferment: Mutterkorn» von apparatus in den Berliner Uferstudios

Am letzten Abend ihres vierwöchigen Versuchs, die Welt handelnd neu zu denken, öffneten Stefanie Wenner und Thorsten Eibeler von apparatus noch einmal die Pforten des Heizhauses in den Berliner Uferstudios. Kein reiner Zufall, dass sich das Projekt «Ferment:Mutterkorn» gerade hier ereignete, wo früher fossile Energie erzeugt wurde. Jetzt ging es um nachhaltigere Transformationsprozesse und Kreisläufe, etwa der Milchsäuregärung oder der Destillation von Kräuteressenzen.

Auch Sake wurde gebraut und Miso angesetzt, wozu man laut Eibeler einen bestimmten, Rundkornreis besiedelnden Schimmelpilz benötigt. Auch das «Mutterkorn» ist ein toxischer Pilz, der Getreide wie Roggen und Weizen befällt. In sehr niedrigen Dosen kann das giftige Alkaloid heilsam und psychoaktiv wirken, überdosiert löst es tödlichen Mutterkornbrand aus. Faszinierende Ambivalenzen!

Als prächtig anheimelnde Wunderkammer empfängt das Heizhaus mit einer Indoor-Jurte und Handbibliothek, einem Erdhügel und Tapeziertischen, auf denen Einmachgläser mit bunt fermentiertem Gemüse und Ampullen mit seltsamen Tinkturen stehen. Im Kühlschrank blubbert Kombucha. Ist es Zufall, dass Fermentieren ohnehin gerade zu den ...

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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt