Der Fall Stadelmaier

Eine Dokumentation ausgewählter Pressestimmen, Interviews und Kommentare zur Frankfurter Premiere von Ionescos «Das große Massakerspiel»

Theater heute - Logo

Der Kritiker über sich

Ich hatte mich auf die Premiere gefreut. Und hätte gerne über sie geschrieben. Doch das geht jetzt nicht. Statt dessen ist von einem Skandal zu berichten. Ich wurde von einem Schauspieler körperlich genötigt, nach ungefähr zwanzig Minuten das Theater zu verlassen. Dabei rief er mir die schönen deutschen Sätze «Hau ab, du Arsch! Verpiß dich! Beifall für den Kritiker!» höhnisch nach. Es kam dann tatsächlich tröpfelnder Beifall im Publikum auf.

Wiewohl meine Kritikerkollegen sitzen blieben und nicht mit mir den Saal verließen, in dem man soeben auf eklatante Weise einem Kritiker die Freiheit genommen hatte, seinem Beruf nachzugehen. (...)

Man spielt in der Frankfurter Schmidtstraße aber nicht Ionescos «Großes Massakerspiel», sondern offenbar ein Anti-Stück mit dem ungefähren Arbeitstitel «Entgrenzung» oder auch «Aufhebung des Theaters» (Ionescos Erben und Rechte-Inhaber sollten sich das ruhig mal anschauen). Schauspieler erbrechen minutenlang Mineralwasser, einer Schwangeren wird das Fruchtwasser abgezapft und dieses dann geschlürft, wobei eine andere Frau zwei Männer, die «Ein Bier!» verlangt hatten, ausgiebig masturbiert und das Publikum gebeten wird, doch mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2006
Rubrik: Der Fall Stadelmaier, Seite 4
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Artefakt vom ersten Satz an

Barbara Burckhardt Seit Ihrem Episodenfilm «Lichter» (s. TH 4/03) haben Sie verstärkt und wohl mehr als jeder andere deutsche Filmregisseur mit Theaterschauspielern gearbeitet. Manche haben Sie erst fürs Kino entdeckt, wie August Diehl für das Hacker-Drama «23», der auch in «Lichter» spielte, zusammen mit Devid Striesow, den wir vorher auch nur aus dem Theater...

Bitte nicht streicheln!

Das Burgtheater feiert Geburtstag. Im Herbst vor genau fünfzig Jahren wurde das im Krieg ausgebrannte Haus wieder eröffnet. Aus gegebenem Anlass stehen in der Jubiläumsspielzeit 05/06 dieselben vier Stücke wie damals auf dem Spielplan. Die Geschenkidee ist nicht sonderlich originell, aber naheliegend: Ein Theater feiert Jubiläum, indem es das macht, was es ohnedies...

Geben? Nehmen!

Und die Bibel hat doch nicht recht. «Gebet, so wird euch gegeben», beschwor der Apostel Lukas im Namen des Herrn die Gläubigen und säte den Samen für einen Tatbestand, der heutzutage als «Bestechung» firmiert. Denn die menschliche Natur unterwarf sich höchst selten dem von Lukas gepriesenen Gebot des absichtslosen Gebens, dem die Belohnung, notfalls nach dem Tode,...