Am Rande der Denkfaulheit
Von dieser Seite droht nichts Neues. Das Festival von Avignon in seiner 73. Ausgabe zeigt geradezu exemplarisch das Debakel einer arrivierten, institutionell etablierten, selbstgefälligen Linken in Frankreich. «Il faut réinventer la gauche», werden die soziologischen Revolutionäre um Didier Eribon, Edouard Louis, Geoffroy de Lagasnerie nicht müde zu rufen: Man muss die Linke neu erfinden. Wenn Avignon davon ein Bild abgibt, dann haben sie recht.
Festival der Selbstgenügsamkeit
Avignon, das Theaterfestival, das stets im Brennpunkt des kulturpolitischen und ästhetischen Streitens stand: Noch nicht einmal den Hauch einer Debatte hat es heuer hervorgebracht. Unter der künstlerischen Leitung von Olivier Py, der ihm seit 2014 und noch bis 2022 vorsteht, hat sich das Festival d’Avignon bei gleichzeitiger Beteuerung des Gegenteils vollkommen abgekapselt von der Welt draußen, von der Kunst draußen. Eingesponnen ins Autoreferentielle. Avignon 2019 war ein Festival der Selbstgenügsamkeit.
Wie sich ein Stoff von einiger Relevanz in fadem L’art pour l’art aufheben lässt, zeigte schon die Eröffnungspremiere. Pascal Ramberts Vorkriegsfreske «Architecture» bezieht sich einerseits auf ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Festivals, Seite 18
von Andreas Klaeui
Am Ende liegt ein Mann in der Badewanne. Macbeth, der Machtmensch, der Karrierist, der über Leichen geht, ist tot. Der Kopf ist zur Seite gefallen, wobei er sich auf ein Handtuch stützt, das ihm kurz vorher sein einstiger Rivale Macduff vorsichtig um das Handgelenk gewickelt hatte. Geradezu fürsorglich und besorgt begleitet dieser ihn zur Wanne, in der sich Macbeth...
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