Alles nicht so gemeint
Erstaunliches ist der Volksbühne gelungen. Na ja, gelungen. In einem kollaborativen Kraftakt schafften es verdiente Kräfte des Hauses samt Überraschungsgästen, dem schon seit geraumer Zeit langsam, aber sicher ins Nervtötende lappenden künstlerischen Programm des Infantilisten Jonathan Meese ein nicht unerstaunliches Quantum neues Leben einzuhauchen.
In gut zwei Stunden machen sie aus einem ungebremst assoziativen Gequirl von Text, einst zur Jugendzimmerzeit aufgeschrieben von Meeses Mutter, eine überwiegend unterhaltsame, übersichtlich in Solo- und Ensemble-Passagen organisierte Großquatsch-Revue, die nicht nur, aber entscheidend davon lebt, dass der Nudelsalat von einer Vorlage gegen eigentlich keinen darstellerischen Einfall Widerstand leistet – wahrscheinlich wäre es genauso amüsant, ihn im Stile von Peter Stein zu inszenieren.
Vor knapp 30 Jahren begann Jonathan Meese wie viele andere bildende Künstler mit einem Hang zum Performativen damit, die Lieblingssujets und Idole von Kindheit und Jugend von der Posterwand des Kinderzimmers zu rupfen und zu Material von Gegenwartskunst zu erklären. Solche emotionalen Readymades waren damals von Florian Illies bis zu Michel Majerus eine ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Diedrich Diederichsen
BERLIN, KUNSTGEWERBEMUSEUM
bis 16.7., Retrotopia. Design for Socialist Spaces
Kooperatives Ausstellungsprojekt über die Rolle und den Einfluss von Design in den Ländern des ehemaligen Ostblocks und Ex-Jugoslawiens von den 1950er bis in die 1980er Jahre
BERLIN, WANNSEE CONTEMPORARY
bis 22.4., Yael Bartana | Rehearsal for Redemption
Das für Wannsee Contemporary...
Istanbul in den 1990ern. Ein Mann steht in seiner neuen Wohnung und stellt sich vor, wie sehr sich seine Frau und die vier Kinder freuen werden, wenn sie sie zum ersten Mal zu sehen bekommen. Er hat jahrzehntelang als Arbeitsmigrant in Deutschland geschuftet, um sich die Eigentumswohnung leisten zu können. Doch bevor er sie vorzeigen kann, stirbt er an einem...
Jetzt ist sie amtlich, die Horror-Saison 2020/21. Der Deutsche Bühnenverein hat seine Statistik vorgelegt – mit der üblichen Zeitverzögerung, die offenbar nötig ist, um alle Zahlen der Theater zusammenzutragen. Nach dem ersten Pandemiestart und einem dreimonatigen Lockdown ab März 2020 war man einigermaßen hoffnungsvoll in die neue Spielzeit gestartet, nur um im...
