Alles auf einmal
Das Thema Migration hat Konjunktur – aus guten Gründen. Allerdings wächst damit auch die Gefahr, dass die heißlaufende Konjunktur ihre Gründe überholt, was in aller Regel zum Crash führt. Aber der Reihe nach.
Der junge Anukami (dessen Name verdächtig nach Abulkasem aus Jonas Hassen Khemiris Migrantendrama «Invasion» klingt) hat kein leichtes Leben. Seine alleinerziehende Mutter stammt aus Tikrit, ist ordentlich und fleißig und bringt die beiden mit einer bescheidenen Änderungsschneiderei so eben durch.
Die sich angestrengt assimilierende Vorzeige-Mutter kann aber auch nicht verhindern, dass gelegentlich der Strom abgeschaltet wird. Dazu kommen Hauptschulprobleme und die Leiden der jungmännlichen Pubertät. Das explosive Gemisch führt in Kleinkriminalität und gemeinsames Abhängen mit seinen Kumpels auf der Straße, den «Homies». All das wäre schon genug für ein anrührendes Problemstück.
Anukamis Vater ist nach seiner Geburt in den Irak zurückgekehrt und gilt seitdem als verschollen. Die Mutter behauptet, er sei tot. Seit einiger Zeit sitzt aber ein abgerissener Penner im obersten Stock einer Hamburger Hochhausruine, dem Lieblingsspielplatz von Anukamis Gang. Der Mann redet ziemlich ...
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Die neue Saison war noch keine acht Wochen alt, da stand es für das Feuilleton einer überregionalen Zeitung schon fest: Die Berliner Bühnen stecken in der Krise. Das Deutsche Theater, eben noch in Bernd Wilms’ letzter Spielzeit zum «Theater des Jahres» gekürt, unter Interims-Intendant Oliver Reese wegen Renovierung des Großen Hauses auf Zelt und Kammerspiele...
Band 1 1965–1987
Was in Deutschland überhaupt schlecht funktioniert, ist das Mittlere. Es gibt nur Superspitzenprodukte und Scheiße, das Mittlere hat, als Quantität, nicht stattgefunden – in allen Kunstgenres, glaub ich. Es hat nie eine Mitte gegeben. mit Harun Farocki, 1981
Mein Hauptinteresse beim Stückschreiben ist es, Dinge zu zerstören. Dreißig Jahre lang war...
Aus dem kleinen Heiner (Müller), hier 1935 anlässlich der Einschulung vor dem Haus der Großeltern im sächsischen Bräunsdorf, ist nicht nur einer der wichtigsten Schriftsteller und Dramatiker deutscher Sprache geworden, sondern auch ein talentierter Prophet mit Kassandra-Ehrgeiz: «Man muss sich um antikapitalistische Alternativen keine Sorgen machen, weil der...
