Kalkül und Ereignis

Der schönste Witz und zugleich die tiefere Wahrheit über Heinrich Breloers Adaption der «Buddenbrooks» steht im Abspann des Films. Ganz am Ende ist da zu lesen, dass das Buch zum Film im S.-Fischer-Verlag erschienen ist, was eben ein Witz ist bei einem Film, der sich auf einen weltbekannten Roman stützt. Tatsächlich liegt im nämlichen Verlag nicht nur Thomas Manns Roman vor, sondern nun auch ein Titel namens «Thomas Manns Buddenbrooks. Ein Filmbuch von Heinrich Breloer».

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Dabei handelt es sich um ein Bilderbuch, das mit ein paar Texten, Dialog- und Originalzitaten die Entstehung des Films beschreibt. Und die tiefere Wahrheit besteht darin, dass dieses liebe­vollere und aufwändigere Presseheft schließlich als Vorlage für Breloers Film gelten muss.



Denn Thomas Manns Roman wird Breloers Film gerecht nur in der Art, wie die meisten Filme – und neuerdings auch Theaterarbeiten – den Bestsellern, die sie seit einiger Zeit reihenweise adaptieren: Sie nehmen das bekannte Buch als Vorlage für eine Handlung und die beschriebenen Szenen als Bilder, die man aus­malen kann. Der große Name verleiht ihren Pro­duzenten Sicherheit bei der Kalkulation, und der lange Ruhm garantiert das Ereignis, das der Film zu werden verspricht.

So sieht man also in Breloers «Buddenbrooks» das Gerüst von Manns Roman: die unbeschwerten Kinder Thomas, Christan und Tony, den Konsul und seine Frau, Lübecker Festlichkeiten, die gescheiterten Vermählungen von Tony mit Bendix Grünlich und dem Bayern Permaneder, Thomas’ Arbeit am Erbe, Chris­tians versuchte Dissidenz von eben diesem Erbe, und, gerade gegen Ende hin, Tode, Beerdigungen, Trauerfeiern.
 

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Theater heute Januar 2009
Rubrik: DVD, Seite 62
von Matthias Dell

Vergriffen
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