Sex, Lust und Videos
Sex also. In acht Bildern, nicht von seinen schönsten Seiten: Zwei Jugendliche beim ersten Mal stellen fest, dass Sie einen Fischschwanz trägt. Die junge Frau unterbricht, wenn es am schönsten ist, weil sie in ihrem Liebhaber den Tod erkennt. Die Mustergatten zeugen ein Musterkind im Heimvideo. Eine 14-jährige Neu-Leda empfängt einen Schwan und gebiert ein Ei. Eine Mittvierzigerin sucht Sex mit einem jungen Mann und findet nur Demütigungen. Die Beichte einer angstgepeitschten, sexsüchtigen einsamen Frau.
Justine del Corte hat eine kleine, mythologisch angereicherte, kritische Szenenfolge geschrieben: Was Sie noch nie über Sex wissen und schon gar nicht fragen wollten.
Regisseur Matthias Hartmann lässt sich trotzdem den Spaß nicht verderben. Mit acht Schauspielern, fünf Projektionsflächen und drei Kameras werden die Bilder zerlegt und wieder zusammengesetzt: ein Szenen-Photoshop. Die Wunschkindproduktion als fröhliche Puppenstuben-Rammelei mit Playmobilfiguren kommt in mehrfacher Großprojektion erstaunlich gut. Das narzisstische Luftküssen der neuen Bekanntschaft sieht in doppelter Überblendung fast lustvoll aus. Yohanna Schwertfegers entzückte Dauerorgasmen steigern sich in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Denn erstens schaut der entstandene Film dem Stadttheater in schönen, blaustichigen Bildern bei der Probenarbeit zu. Er folgt der Autorin zu ihren Gesprächen und der Regisseurin nach Hause ins Wohnimmer, lässt Schauspieler ihr Handwerk zeigen, mitreden und privat zu Wort kommen, dokumentiert Krisen zwischen Regie und zweifelndem Ensemble. Zweitens entsteht wie...
Hier gibt’s keine Revolution. Als Lessing seine «Emilia Galotti» schrieb, überlegte er noch, ob er die Tötung der Tochter durch den Vater in einen Volksaufstand münden lassen sollte; der antike Historiker Livius hatte es so aufgeschrieben. Erst wollte Lessing die Politik ganz draußen lassen, dann schlich sie sich doch ins Stück hinein: Der Vater rettet die Ehre...
Aus dem kleinen Heiner (Müller), hier 1935 anlässlich der Einschulung vor dem Haus der Großeltern im sächsischen Bräunsdorf, ist nicht nur einer der wichtigsten Schriftsteller und Dramatiker deutscher Sprache geworden, sondern auch ein talentierter Prophet mit Kassandra-Ehrgeiz: «Man muss sich um antikapitalistische Alternativen keine Sorgen machen, weil der...
