Allein am Klavier
Da stehen sie also an der Rampe, ätzen über die mediale «Jedermann»-Aufregung, über «Sebastian» und seine Chat-Egomanie – unschwer als österreichischer Ex-Kanzler erkennbar, der wegen mutmaßlichen Falschaussagen vor Gericht steht –, die Koks-Partie bei Nobel-Caterer Do & Co und Burgtheaterdirektor «Martin K.», der ohnehin nie da sei.
Im Original findet man diese Sätze natürlich nicht: 1666 hat Molière seine Komödie «Der Menschenfeind» geschrieben, die vom Tugendwächter Alceste handelt, der allen gnadenlos die Wahrheit ins Gesicht schmettert, aber sich dann ausgerechnet in die Flirt-Weltmeisterin Célimène verliebt. Martin Zehetgruber hat am Burgtheater riesige Plexiglaswände gebaut, die bei richtiger Beleuchtung das Publikum im Saal spiegeln. Geht das Licht aus, verwandelt sich die Bühne in eine dunkle, unwirtliche Landschaft, in der sich niemand verstecken kann.
Keine Frage, es geht in der Inszenierung von Hausherr Martin Kušej um uns – um die verkommene, korrupte Wiener Bussi-Bussi-Gesellschaft, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus ist: vorneraus schmierig, hinter dem Rücken brutal. Eine Lesart, die durchaus passend scheint zur letzten Saison des scheidenden Burg-Chefs, der das ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Karin Cerny
Für Heiner Müller war der «Ui» noch ein abgründiges Stück: «Im ‹Arturo Ui› gibt es viel Mechani -sches, Pennälerhaftes, Travestie», schreibt Müller in seiner Autobiografie, «aber plötzlich kommen böse Stellen, zum Beispiel wenn Givola (Goebbels) zu Roma (Röhm) sagt: ‹Mein Bein ist kurz, wie? So ist’s dein Verstand / Jetzt geh mit guten Beinen an die Wand.› Das sind...
Das letzte Wort bekommt die Mutter. Was sie sich für ein Leben gewünscht hätte, wenn etwas anderes möglich gewesen wäre. Zur Schule gehen vielleicht, meint sie, vielleicht einen richtigen Beruf erlernen. Ärztin habe sie immer werden wollen. Aber das war nicht möglich für eine Frau, die mit vier Jahren, fünf Geschwistern und der Mutter aus Ostpreußen in ein Dorf bei...
Alles ziemlich pink, aber rosig geht’s nicht zu an diesem Abend. Ängste werden getriggert. Vor den Folgen des Klimawandels. Alles auch ziemlich apokalyptisch also. Ein pinkes Haus in Schieflage, mitten im Waldbrandgebiet, der Pool leer. Es qualmt, Autoinnereien verteilen sich auf der Bühne des Studios Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters, wo jetzt Svenja Viola...
