Einblicke ins Fremdsein
Das letzte Wort bekommt die Mutter. Was sie sich für ein Leben gewünscht hätte, wenn etwas anderes möglich gewesen wäre. Zur Schule gehen vielleicht, meint sie, vielleicht einen richtigen Beruf erlernen. Ärztin habe sie immer werden wollen.
Aber das war nicht möglich für eine Frau, die mit vier Jahren, fünf Geschwistern und der Mutter aus Ostpreußen in ein Dorf bei Hamburg fliehen musste, vorbei an vielen Toten und Fliegerangriffen, und dann auf einem Bauernhof, wo sie Zuflucht gefunden hatte, anpacken musste; mit 10 einen gewalttätigen, durch Krieg und russische Gefangenschaft schwer traumatisierten Vater und Spätheimkehrer erleben musste; die schließlich mit 20 Jahren von ihrem Chef im Bürojob schwanger wurde ohne je sexuell aufgeklärt worden zu sein, und dann noch neun Jahre abgeschoben in einer kleinen Wohnung als alleinerziehende Mutter warten musste, bis der Vater ihrer Tochter sie doch geheiratet hat. Aber Frau Richter beklagt sich in keiner Weise. Es sei normal gewesen, wie es war. Und wenn etwas normal sei, dann versuche man eben, das Beste daraus zu machen.
Was der Regisseur und Autor Falk Richter, 52, in «The Silence» an privater Familiengeschichte auspackt, ist nichts ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
27. Schmidt nach Dusse, Achtsam Morden
R. Ingmar Otto
ALTENBURG/GERA, THEATER
21. Kressin und Oldenstein, √My – Episode II: Finsternis unter der Kuppel
R. Manuel Kressin und Sophie Oldenstein
ANNABERG-BUCHHOLZ, EDUARD VON WINTERSTEIN THEATER (ETO)
13. Castro, Ab in den Schrank
R. Felix Metzner
BADEN-BADEN, THEATER
20. Lewis, Sayer und...
Über mehrere Leinwände flimmern Bilder von Kriegen, Umweltkatastrophen und berühmten Leuten. Sie sind so omnipräsent, dass das Theater daneben bedeutungslos erscheint, so die Diagnose von Leander Haußmann und Ensemble in «Läuft!». Die Inszenierung ist laut Ankündigung eine Stückentwicklung, in der sich Regisseur und Darsteller:innen gemeinsam auf die Suche nach dem...
Sophie Blomen, Vera Moré und Max Reiniger ist der studentische Hildesheimer Uni-Hintergrund durchaus noch anzumerken. Eine 60-Minuten-Performance aus einem Popsong, dem eigenen Fan-Sein abzuleiten, erinnert an eigene Unizeiten, in denen sich theoretische Überschüsse besonders hübsch an popkulturellen Phänomenen brechen ließen. Was damals die selfempowerte...
