Aktenlage redivivus
Die Dresdner Staatssicherheit verfolgte zweifelsfrei auch originelle Projekte. Mitte der achtziger Jahre arbeitete sie zum Beispiel hart daran, die Trainerbank des lokalen Fußballklubs SG Dynamo Dresden zu verwanzen: ein Unterfangen, das auf den letzten Metern an technischen Details scheiterte – was man vom munteren Schriftverkehr diverser Sportfunktionäre mit dem DDR-Stasi-Chef Erich Mielke naturgemäß nicht behaupten kann.
Kam es ausnahmsweise doch mal zu einer unliebsamen Schiedsrichter-Entscheidung gegen dessen Lieblingsverein – den Dresdner Erzrivalen BFC Dynamo Berlin, den man sich als eine Art FC Bayern München des Ostens vorstellen darf –, ließ sich Mielke seitenlang über den Hergang dieser Ungeheuerlichkeit unterrichten.
In Rimini Protokolls «begehbarem Stasi-Hörspiel» «Radioortung – 10 Aktenkilometer Dresden» kann man sich diese hochnotkomischen Verbalergüsse en detail anhören: Mit Handy, Kopfhörern und Stadtplan ausgestattet, bewegt man sich eigeninitiativ durch die Dresdner Alt- wie Neustadt und läuft dabei – sobald man eben zum Beispiel in Dynamo-Stadion-Nähe kommt – dank GPS automatisch in die Sendungsregion des betreffenden Archivmaterials hinein.
Dergestalt lässt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2013
Rubrik: Chronik: Dresden, Seite 58
von Christine Wahl
1998 mutete der Bühnenberserker Einar Schleef seinen Zuschauern bei der Uraufführung von Elfriede Jelineks bissiger Farce «Ein Sportstück» über sechs Stunden Spielzeit zu – eine Burgtheaterinszenierung, die mit über 80 Dauertrimmern und sportgeilen Testosteronbomben auf der Bühne legendär wurde. Geradezu harmlos wirkt dagegen, was derzeit am Staatstheater...
Zwölf Tage Theater, Podiumsdiskussionen und Kolloquien, Konzerte im kalten hannoverschen Nieselregen und ein Catering-Zelt im Festivalzentrum, das mitten im Hochsommer Punsch im Angebot hatte. Das waren die Theaterformen, das kleine, feine, niedersächsische Theaterfestival, das im jährlichen Wechsel mal in Hannover, mal in Braunschweig stattfindet.
Anja Dirks, die...
Judith Engel Mag Meese eigentlich Schiller?
Jonathan Meese Schiller ist «Totalstspiel». Schiller spielt, Schiller vitalisiert. Schiller ist ohne Ideologie. Meese mag Schiller, weil Schiller Distanz ist. Schiller ist keinerlei soziale Nähe, Schiller ist kein soziales Netzwerk, Schiller ist kein Kulturkampf, kein Straßenkampf und kein Klassenkampf. Meese mag Schiller...
