Inseln der Seligen
120 Stunden, behauptet der nicht mehr ganz junge Mann im grauen Overall beflissen, hätten er und sein Team sich in der Halle E des Museumsquartiers eingeschlossen und unablässig dem Strom der Nachrichten ausgesetzt. Der Regisseur Nicolas Stemann begrüßt höchstpersönlich das Publikum seiner «Kommune der Wahrheit», die nun antrete, vorläufige Ergebnisse dieser anscheinend an Folter grenzenden Klausur zu präsentieren.
120 Stunden, das klingt, auch wenn es sich nur um fünf Tage und Nächte handelt, nach den 120 Tagen von Pasolinis «Salo» und Schlingensiefs «Bottrop», nach Sadomasochismus, Entmenschlichung, grausamen Logiken. Nach einem Ort, der scheinbar anders tickt als der Rest der Gesellschaft, tatsächlich aber präzise dessen innerste Mechanismen freilegt. Doch 120 Stunden sind eben nicht 120 Tage, und dass in dieser Auftragskoproduktion zwischen Wiener Festwochen und dem Hamburger Thalia Theater die Brötchen ein paar Nummern kleiner gebacken werden, ist schon nach wenigen Minuten klar. Die «Kommune der Wahrheit», die mit ihrer «Wirklichkeitsmaschine» den «Informationsoverkill» der alltäglichen Nachrichten in «theatrale Energie» verwandeln will, ist weniger Kunst- und ...
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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Festivals, Seite 16
von Eva Behrendt
Zum Schluss hat sich vor dem Kölner Dom zum Schweigen doch nur ein Häuflein Menschen unter Regenschirmen eingefunden. Lose gruppiert stehen sie um ein aus Mamorgranulat aufgeschüttetes Sechseck. «Halt ein und denke», hat die israelische Künstlerin Yael Bartana als pathetische Devise ausgegeben, um das zweiminütige rituelle Gedenken an den Holocaust in Israel nach...
Für ein weiteres Buch über Gustaf Gründgens, den versierten Schauspieler, Revue- und Kabarettstar, ab 1930 auch erfolgreichen Film-, Theater- und Opernregisseur, dann von Göring gestützten Staatstheaterintendanten und auch in der frühen Bundesrepublik wieder hochgeschätzten Theatermann können sich Geld zur Verfügung stellende Stiftungen und viele Verlage immer...
Mit Sportmetaphern im Theater ist es so eine Sache. Schwerlich nur lässt sich der Kampf um den Sieg mit dem Kampf um ästhetische Wahrheit beschreiben. Dennoch belegt die Kulturstiftung des Bundes auch ihr aktuelles Förderprogramm wieder mit einem flotten Begriff aus dem Mannschaftssport. Nach «Heimspiel» zieht auch mit «Doppelpass» nicht unbedingt sportlicher...
