Inseln der Seligen
120 Stunden, behauptet der nicht mehr ganz junge Mann im grauen Overall beflissen, hätten er und sein Team sich in der Halle E des Museumsquartiers eingeschlossen und unablässig dem Strom der Nachrichten ausgesetzt. Der Regisseur Nicolas Stemann begrüßt höchstpersönlich das Publikum seiner «Kommune der Wahrheit», die nun antrete, vorläufige Ergebnisse dieser anscheinend an Folter grenzenden Klausur zu präsentieren.
120 Stunden, das klingt, auch wenn es sich nur um fünf Tage und Nächte handelt, nach den 120 Tagen von Pasolinis «Salo» und Schlingensiefs «Bottrop», nach Sadomasochismus, Entmenschlichung, grausamen Logiken. Nach einem Ort, der scheinbar anders tickt als der Rest der Gesellschaft, tatsächlich aber präzise dessen innerste Mechanismen freilegt. Doch 120 Stunden sind eben nicht 120 Tage, und dass in dieser Auftragskoproduktion zwischen Wiener Festwochen und dem Hamburger Thalia Theater die Brötchen ein paar Nummern kleiner gebacken werden, ist schon nach wenigen Minuten klar. Die «Kommune der Wahrheit», die mit ihrer «Wirklichkeitsmaschine» den «Informationsoverkill» der alltäglichen Nachrichten in «theatrale Energie» verwandeln will, ist weniger Kunst- und ...
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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Festivals, Seite 16
von Eva Behrendt
Geld ist wohl genug da, im Zwischenmenschlichen aber hapert es bei Sandra und Herwig. Söhnchen Marko starrt stumpf in die Welt, und dann ist da noch die Sache mit den Fröschen rund um den Swimming Pool. Auch die lassen nicht mit sich reden, laichen vor sich hin, werden immer lauter und liefern den Titel für das Stück von Johannes Hoffmann, der damit den...
Luc Bondy und Stefanie Carp, der Intendant und die Schauspieldirektorin der Wiener Festwochen, waren eigentlich ein unmögliches Paar. Der eine gehört zu den letzten Vertretern der Spezies Theatertheaterregisseur, die andere ist eine moderne Theaterintellektuelle. Der eine inszenierte ein Stück nach dem anderen vom Blatt, die andere kuratierte ein Programm, in dem...
«Ion», Euripides’ Stück um Erkennen und Erkenntnis, wird auf deutschen Bühnen nur selten gegeben. Armin Petras versucht sich dennoch an dem Stoff, verzichtet aber weitgehend auf Euripides und reduziert das Stück auf seine Hülle, um aus der Tragödie ein urkomisches Spektakel zu machen. In aller Kürze: Ion (Manolo Bertling) ist das Ergebnis einer Affäre zwischen...
