Inseln der Seligen
120 Stunden, behauptet der nicht mehr ganz junge Mann im grauen Overall beflissen, hätten er und sein Team sich in der Halle E des Museumsquartiers eingeschlossen und unablässig dem Strom der Nachrichten ausgesetzt. Der Regisseur Nicolas Stemann begrüßt höchstpersönlich das Publikum seiner «Kommune der Wahrheit», die nun antrete, vorläufige Ergebnisse dieser anscheinend an Folter grenzenden Klausur zu präsentieren.
120 Stunden, das klingt, auch wenn es sich nur um fünf Tage und Nächte handelt, nach den 120 Tagen von Pasolinis «Salo» und Schlingensiefs «Bottrop», nach Sadomasochismus, Entmenschlichung, grausamen Logiken. Nach einem Ort, der scheinbar anders tickt als der Rest der Gesellschaft, tatsächlich aber präzise dessen innerste Mechanismen freilegt. Doch 120 Stunden sind eben nicht 120 Tage, und dass in dieser Auftragskoproduktion zwischen Wiener Festwochen und dem Hamburger Thalia Theater die Brötchen ein paar Nummern kleiner gebacken werden, ist schon nach wenigen Minuten klar. Die «Kommune der Wahrheit», die mit ihrer «Wirklichkeitsmaschine» den «Informationsoverkill» der alltäglichen Nachrichten in «theatrale Energie» verwandeln will, ist weniger Kunst- und ...
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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Festivals, Seite 16
von Eva Behrendt
Aachen, Grenzlandtheater
18.8. Goethe, Wahlverwandtschaften
R. Jens Pesel
26.9. Higgins, Harold und Maude
R. N.N.
Aachen, Theater
19.9. Daisey, Agonie und Ekstase des Steve Jobs
R. Jens Dierkes
20.9. Woolf, Orlando
R. Paul Georg Dittrich
22.9. Shakespeare, Hamlet
R. Christina Rast
Aalen, Theater der Stadt
28.9. Riml, Der Junge auf dem Baum (DE)
R. Winfried Tobias
28.9. Hornby,...
Judith Engel Mag Meese eigentlich Schiller?
Jonathan Meese Schiller ist «Totalstspiel». Schiller spielt, Schiller vitalisiert. Schiller ist ohne Ideologie. Meese mag Schiller, weil Schiller Distanz ist. Schiller ist keinerlei soziale Nähe, Schiller ist kein soziales Netzwerk, Schiller ist kein Kulturkampf, kein Straßenkampf und kein Klassenkampf. Meese mag Schiller...
«Ion», Euripides’ Stück um Erkennen und Erkenntnis, wird auf deutschen Bühnen nur selten gegeben. Armin Petras versucht sich dennoch an dem Stoff, verzichtet aber weitgehend auf Euripides und reduziert das Stück auf seine Hülle, um aus der Tragödie ein urkomisches Spektakel zu machen. In aller Kürze: Ion (Manolo Bertling) ist das Ergebnis einer Affäre zwischen...
