«Ästhetik des Unterschiedlichen»
Der Termin für die Saisoneröffnung am Hamburger Thalia Theater ist politisch extrem aufgeladen: auf den Tag genau 25 Jahre, nachdem am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die Türme des New Yorker World Trade Center stürzten und so das liberale «Ende der Geschichte» beerdigten, knapp eine Woche, nachdem bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte eine gesichert rechtsextreme Partei nahe an die absolute Mehrheit kam und so den bundesdeutschen Konsens pulve -risierte, dass niemals mehr der Faschismus in die Nähe der Macht kommen dürfe.
Eine Bühne, die sich wie das seit einem Jahr von Sonja Anders geleitete Thalia explizit als antifaschistisch versteht, muss sich zu diesen Geschehnissen verhalten.
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda beschrieb das in seiner Spielzeitstart-Rede als Aufgabe ans Theater: «Eine Demokratie, die die Mehrheit der Bevölkerung nicht will, lässt sich gegen die Bevölkerung nicht retten», meinte er düster mit Blick auf Sachsen-Anhalt und empfahl als Gegengift gegen die destruktiven Erzählungen der Rechten die Kraft des positiven Narrativs: «Die bessere Geschichte ist die von Offenheit, von Vielfalt, von einer Ästhetik des ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Falk Schreiber
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Wer ein Haus baut, ist gut beraten, nicht mit dem Dach zu beginnen. Im Theater muss man das nicht so eng sehen: Am Ende des Elfriede-Jelinek-Abends «Die Ankunft» am Wiener Volkstheater wird ein Haus auf der Bühne stehen; am Beginn von Jan Philipp Glogers Inszenierung aber ist davon nur das Dach zu sehen. Nachvollziehbar wird das, wenn man weiß, dass «Die Ankunft»...
