A-Cappella aktuell
Die große Treppe im weiträumigen Braunfels-Bau in München ist ein gestuftes Foyer und normalerweise Aufstieg oder Pausenplatz für Museumsbesucher. Der Berliner Künstler Olaf Nicolai machte sie an zwölf Sonntagen zur Bühne, mehr noch zum Schnittpunkt zwischen Architektur, Performance und Musik. Die Feuilletonredaktionen waren irritiert, ob da der Musikkritiker oder der Spezialist für ungewöhnliche Theaterformen zuständig ist.
Im Zweifelsfall galt dann aber Nicolai, der sonst von der Berliner Galerie eigen + art vertreten wird, als insgesamt gattungsambivalenter Künstler aus der Welt der documentas und Biennalen.
Für diese Lieder-Treppe «Escalier du chant» haben zwölf zeitgenössische Komponisten Gesangsstücke zu aktuellen politischen Ereignissen geschrieben. James Saunders bezog sich etwa auf die Londoner Proteste gegen Studiengebühren, die auch über interaktive Netz– werke organisiert waren. In diesem Sinne ließ Saunders von den vorzüglichen Sängern der Neuen Vocalsolisten Stuttgart ein Stück aufführen, dessen vereinfachte Notation das Publikum in einer Art beliebig neu zu faltendem Leporello mit nach Hause nehmen sollte. Wie diese teilnehmende Verbreitung seines Liedes in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Thomas Irmer
Jean Genets Reaktion auf die Uraufführung 1957 am Londoner Arts Theatre legt nahe, dass Peter Zadek damals ziemlich prall und heftig inszeniert haben muss. Der Regisseur, so Genet, habe weder den Geist noch den Text des Stückes geachtet, und überdies erwecke die Inszenierung den Eindruck, er, also Genet, «sei ein Skandalmacher und Pornograf». Donnerwetter, kann...
Eine grüne Drehbühne, im Hintergrund eine runde Bildprojektion. Vorn ein Stehpult für die Hauptdarsteller: Erst spricht der Bundespräsident, dann die Kanzlerin und jetzt der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er dreht und wendet etwas linkisch das Manuskript, bevor er anfängt. Dafür gibt es vom gefüllten Auditorium des Badischen Staatstheaters Szenenapplaus....
«Man kann einen Staat erst verstaatlichen, wenn er komplett bankrott ist» – diese aktuelle Sottise zur Euro-Krise stammt von Elfriede Jelinek und wurde 2008 geschrieben. Damals bezog er sich auf die Haftungsübernahme des österreichischen Staates für die wegen zweifelhafter Finanzaktionen in die Krise geratene Gewerkschaftsbank BAWAG. Jelinek hat mit «Die...
