60 Minuten ÜberDosis

Beim 100-Grad-Festival der Freien Szene im Berliner HAU darf jeder mitmachen – wenn er sich an die Regel hält

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Wenn schon «Raum», wie Olafur Eliasson schreibt, «eine sich ständig verändernde Gleichzeitigkeit von bisherigen Geschichten» ist, was ist dann Theater? − Der Modellfall räumlicher Wirklichkeitswahrnehmung? Der diesjährige Show-Room der Freien Szene, das 100-Grad-Festival, steckte voller Raum-Metaphern. Dabei ist 100 Grad selbst ein Großraumexperiment, bei dem im Stundentakt bis zu sechs Geschichten gleichzeitig die Zuschauer auf Bühnen, in Foyers und Nischen der drei HAU-Spielstätten und in den Sophiensælen überfordern.

Weniger Entscheidungsfreudige konnten bei 129 Inszenierungen an vier Abenden programmatisch in den Zapping-Mode umschalten, kommen und gehen, fragmentarisch sehen − wie im echten Leben. Letzteres spiegelt sich für die Freie Szene auch in den sportlichen Teilnahmebedingungen: Jeder darf mitmachen, das Bühnenformat aber nicht länger als 60 Minuten dauern: Theater als überdosierter Normalzustand.


    Walther von der Vogelweide genau jetzt

Eine bemerkenswerte Anpassungsleistung gelang dabei Andreas Greiner und Julian Bisesi, eigentlich Teilnehmer des von Olafur Eliasson geleiteten Instituts für Raumexperimente, bei einem «Blick durch das Fenster». Anders als ihre ...

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Theater heute April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Anja Quickert

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Statements

Matthias Lilienthal, 1992–1999 Chef­dramaturg an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf, Programmdirektor für «Theater der Welt 2002» in Bonn, Düsseldorf, Köln und Duisburg. Seit September 2003 ist er künst­lerischer Leiter und Geschäftsführer des HAU. Das Regiekollektiv Rimini Protokoll zeigt und erarbeitet kontinuierlich Produktionen am HAU...