Von Nerven und Nervösen
Eine Handvoll Orthopädie-Patienten schlurft auf die Bühne des Kleinen Hauses im Staatsschauspiel Dresden. Der zweckorientierten Sportkleidung nach zu urteilen, die die Truppe unter ihren Beinschienen, Kniemanschetten und Halskrausen trägt, ist sie auf dem Weg zur Krankengymnastik. Die erste Übung: kollektives Zittern im Kreis. Man schlägt sich wacker. Auch in der Aufbauphase, wenn sich das lässige Schlackern zu einer Art Erschütterungschoreografie mit Dringlichkeitscharakter steigert, hat der Coach keinen Grund zur Klage.
Wer eine schlüssige Erklärung für dieses körpertherapeutische Treiben sucht, findet sie im Programmheft: Das L-förmig um die Bühne gruppierte Publikum wohnt einer Reha-Maßnahme für Erdbebenopfer bei, «die noch einmal erinnern, wiederholen und ausagieren, was ihnen widerfahren ist». Der Gesundheitsminister hätte seine helle Freude: Eine knapp hundertminütige Therapie-Einheit lang müssen in Natascha von Steigers
Styropor-Bühnenlandschaft Requisiten zersprungen, Kontaktimprovisationen angebahnt, Sasha-Waltz-Elegien recycelt, Kopfstände in die Deko geklemmt und schließlich ein an Adam und Eva gemahnendes Darstellerpaar, das sich als Heinrich von Kleist und Henriette ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Christine Wahl
Matthias Lilienthal, 1992–1999 Chefdramaturg an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf, Programmdirektor für «Theater der Welt 2002» in Bonn, Düsseldorf, Köln und Duisburg. Seit September 2003 ist er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des HAU. Das Regiekollektiv Rimini Protokoll zeigt und erarbeitet kontinuierlich Produktionen am HAU...
Andreas aus Braunschweig hat 14 Jahre Musikwissenschaft studiert und ist dann nach Paris gegangen. Promovieren, sagt er. Inzwischen lebt er auf der Straße, kann aber trotzdem Verdis «Macht des Schicksals» nach Tonarten brillant analysieren und setzt zur melancholisch-düsteren Passage in e-Moll die erste oder auch schon fünfte Molle an. Dass der verpfuschte Begabte...
Ungefähr 15.000 Zeichen soll dieser Text lang werden. Nicht gerade wenig für das Porträt eines Nachwuchsdramatikers, naturgemäß aber viel zu wenig, um die ganze, komplexe Welt zu fassen zu kriegen. Und auch viel zu wenig für Wolfram Lotz. Denn wenn es nach und um Lotz geht, müsste man eigentlich Indianisch sprechen oder eine andere Sprache, die keiner versteht. So...
