Ein Quantum Gewalt
Ich würde ja gerne eine beeindruckende Geschichte darüber aus dem Ärmel zaubern, wie ich zum Theater gekommen bin, aber ich glaube, das Theater ist ganz einfach und unspektakulär zu mir gekommen.» Ein solches Bekenntnis über dem allerersten Schluck Kaffee lässt auf zwei Dinge schließen: Dennis Kelly ist erstens ehrlich veranlagt und arbeitet zweitens nicht aktiv an seiner eigenen Legende. Dafür arbeitet der Autor von «Kindersorgen» äußerst emsig an acht Schreibaufträgen – Auftraggeber unter anderem das National Theatre und Film Four.
«Ich sage so ungern nein, und es muss ja auch nicht alles bis morgen fertig werden.» Kelly hat sich diesen Erfolg, wie er grinsend sagt, mit dickköpfiger Zähigkeit erkämpft. Der Nordlondoner verließ mit 16 die Schule und «machte 12 Jahre lang eine Bilderbuchkarriere in Scheißjobs». Von der Supermarktkasse bis zum Leiter eines Warenlagers war alles dabei.
Eines Tages nahm ihn ein Freund mit zu einem Theaterclub für Jugendliche. Und auf dem Wege näherte Kelly sich in wöchentlichen Raten diskret der klassischen und zeitgenössischen Dramatik an. «Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht zu spielen, auch wenn wir unsäglich schlecht waren. So habe ich Autoren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eigentlich sollte Jürgen Kruse Gorkis «Nachtasyl» inszenieren, doch der Tod Klaus Michael Grübers brachte ihn auf eine andere Idee – die Kombination zweier Stücke, die Grüber an der Berliner Schaubühne inszenierte, als Kruse dort Assistent war: Tschechows frühes Dramolett «An der großen Straße» (1984) und Hölderlins Fragment «Tod des Empedokles» (1975). Kruse war...
«Warum eigentlich immer die Türken?», fragt der vierzehnjährige türkische Junge hinter mir leise, dann verfällt er wieder – ebenso wie die restlichen Schüler dreier Schulformen (Haupt- und Realschule und Gymnasium) – in gebanntes Schweigen. Und das für eineinhalb Stunden im Theater. Hut ab.
«Dream Team» von Lutz Hübner schafft es, Jugendliche aus den verschiedensten...
Wie war das noch? Ein Männlein steht im Walde … Nein, eigentlich sind es eine ganze Menge Männlein und Weiblein, die im neuesten Stück der 26-jährigen österreichischen Autorin Gerhild Steinbuch buchstäblich und metaphorisch im Wald stehen. Und selbst wenn Hoffmann von Fallerslebens Kinderlied weder in Text noch Inszenierung vorkommt, gibt es doch ein passendes...
