Das Beispiel des Gerechten
Er ist angekommen. Das lange Theater-Leben des Peter Palitzsch endete, von wo es ausging. Sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof an der Chausseestraße, Berlin Mitte, liegt einige Dutzend Meter entfernt von dem Findling mit dem Namen Bertolt Brecht. Dazwischen das Grab Hegels, dessen idealistische, auf Synthese zielende Dialektik Brecht – und Palitzsch – reduzierten auf eine «Denkweise, die Widersprüche aufdeckt».
Palitzsch war schon dreißig Jahre alt, als ihn Brecht 1949 ans eben gegründete Berliner Ensemble holte.
Über seine (bürgerliche) schlesische Herkunft, die Ausbildung als Werbegrafiker und über die fünf Jahre als Soldat in Hitlers Armee hat er wenig geredet. In Dresden, während und nach dem Krieg, tauchte er ein ins bohèmehafte Künstlermilieu um die Ausdruckstänzerin Gret Palucca. Stammte daher die elegante Arm- und Handgestik des allzeit dünnen, jünglingshaften Mannes? Mit angewinkeltem Arm, die Hand nach oben offen, reichte er seine Argumente zur Prüfung, zum Widerspruch auffordernd an die anderen.
Zu Brecht nach Berlin fuhr er 1949 von Dresden – inzwischen als Dramaturg an eine Nachkriegs-Gründung, das Deutsche-Volksbühnen-Theater, gelangt –, um sich Rat zu ...
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Theater heute Februar 2005
Rubrik: Peter Palitzsch 1919–2004, Seite 12
von Henning Rischbieter
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