Zwischen Call-Center und Ochsenkarren
Ein Karren zuckelt die Straße entlang. Die Hörner der vorgespannten weißen Ochsen sind rot bemalt, die hölzernen Reifen quietschen bei jeder Umdrehung, und obenauf sitzt ein magerer Bauer mit Turban. Dicht hinter ihm klebt ein schneller Neuwagen japanischen Fabrikats. Am Steuer eine wütende Frau im Abendkleid, die hupt und in ihr Handy schreit. Ihre Welt ist so schnell wie ihr Auto, nur steht manchmal eben ein Ochsenkarren im Weg. Indien prägt eine Mannigfaltigkeit an Lebensformen, wie sie im Westen kaum vorstellbar ist.
Auf der einen Seite moderne Großstädte voller IT-Unternehmen, Call-Center und Karrierefrauen. Keine fünfzig Kilometer weiter ein Dorf ohne Elektrizität und Wasserleitungen, in dem die weiblichen Neugeborenen nach der Geburt ertränkt werden, weil der Vater sich die Mitgift nicht leisten kann. Hier wird mit Vieh gepflügt und auf Feuer gekocht, dort servieren Diener Pizza und Pepsi, während man sich durch hundert Kabelkanäle zappt. Zwischen Hightech und archaischer Dorfwelt leben viele in religiöser Askese oder bettelnder Armut; gleichzeitig wächst stetig eine neue Mittelschicht heran.
Diese Vielfalt der sozialen Gegensätze reflektieren auch die darstellenden ...
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Welch Schauspiel, aber ach – kein Schauspiel, nein. Ein undurchdringlich schwarzer Raum öffnet sich vor erwartungsvollem Blick. Wuchtige, gleichfalls schwarze Mauern, variabel, an den Seiten. Hier agieren sie – Dirk Glodde (Faust) und Ahmad Mesgarha (Mephistopheles) in grauem Schlabberlook, verdammt ins ewig Leere. Einziger Zufluchtsort des meditierenden Faust...
Topfpflanzen. Ein Wald aus eingetopften, aber riesenhaften Büschen, zwei bis drei Meter hoch mindestens. Die Bühnenbildnerin Katrin Brack, die dem Ganzen im Theater immer mit einer einzigen Idee begegnet, hat für Luk Percevals Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» das Dschungelmotiv mit dem der häuslichen Grünpflanze gekreuzt. Vorne Sofa...
Das Theater», so lautet das Credo von Kurt Hübner auch heute noch, «sollte versuchen, zur Qualität zu aktivieren, Maßstäbe zu setzen, die Mit-telmäßigkeit bloßzustellen und die
Lächerlichkeit ausgeleierter Denkklischees zu zeigen. Es sollte gegen sich selbst noch kritischer sein als gegen andere.»
Rechtzeitig zum 90. Geburtstag des Schauspielers, Regisseurs und...
