Dannys Bombe
Warum hassen wir die Juden?»
Der junge, schlaksige Mann mit dem rasierten Kopf und dem grauen Anzug schaut prüfend seinem Publikum ins Auge. Die Pause ist gut gesetzt. Didaktisch wohltemperiert und im absurden Zirkelschluss führt er aus: Nicht weil die Juden die Banken kontrollieren und den besten Sex haben, hassen wir sie, sondern «weil es ein kulturelles Axiom ist: weil wir sie hassen».
Danny Balint ist ein junger Neonazi in New York, er ist belesen und gebildet und besessen von dem Drang, Juden zu töten.
Die Krux an der Sache: Danny ist selber Jude, und das gilt es zu vertuschen. Einem Journalisten, der ihn auf sein Judentum anspricht, droht er mit Selbstmord, falls er dies an die Öffentlichkeit bringe. Danny ist der lebende Widerspruch, das fleischgewordene Paradox des Antisemitismus. Die von Dramaturg Lothar Kittstein erstellte Bühnenadaption des preisgekrönten Filmes «The Believer» (2001) von Henry Bean zeigt Fanatismus als missglückte Identitätsbildung: Voller Selbsthass bekämpft Danny im Anderen die eigenen jüdischen Wurzeln, von denen er sich trotz allen Bemühens nicht lösen kann. Kittstein gelingt es, die Ereignisse aus dem Leben des jüdischen Nazis zu einem ...
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